Einsturz des Rehbergtunnels - am 23. Juli 1905

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  Am 23. Juli 1905 stürzte in den frühen Morgenstunden nach langen und heftigen Regenfällen der Tunnel ein. Auf gut 20 Meter war die Tunneldecke ausgelöst von schweren Felsbrocken zusammengebrochen. Bemerkt wurde der Bergrutsch erst um 6,50 Uhr in der Frühe, als der Personenzug 346 aus Holzminden ohne Vorwarnung in die Schuttmassen hinein gerast war. Über dieses Unglück wurde dann auch in vielen regionalen und überregionalen Zeitungen berichtet: So konnte man lesen: „Der 23. Juli 1905 war für unsere Gegend ein Unglückstag. Durch den Tunneleinsturz in Altenbeken wurde ein Personenzug zum Entgleisen gebracht. Fast ein Wunder ist es zu nennen, dass dabei kein Menschenleben zu beklagen sei – ja – dass wenige schwere Verletzungen vorkamen. Bei all unseren staatlichen und privaten Betrieben muss doch darauf geachtet werden, dass alles so sicher funktioniert, damit überhaupt kein Menschenleben gefährdet wird. Dieses ist auch deshalb ein großer Unglückstag, weil der Verkehr auf einer der wichtigsten Verkehrsadern Preußens plötzlich zum Stocken gebracht wurde. Laufen doch von Osten her aus vier Richtungen Bahnstrecken in den Rehbergtunnel ein.“

Mit den Reparaturarbeiten wurde unverzüglich begonnen. Aus Sicherheitsgründen ließ die Eisenbahnverwaltung das Gewölbe auf einer Länge von 352 Meter herausbrechen und auf ganzer Länge anschließend erheblich verstärken. Deshalb zogen sich auch die Instandsetzungsarbeiten länger als geplant hin. Es mussten immer mehr Arbeiter eingestellt werden, denn entgegen den damaligen Bauberichten war das Gewölbemauerwerk schwächer ausgelegt, als angegeben. Aus den Aufzeichnungen geht hervor, das am 22. Mai 1906 271 Bergleute (meist Italiener) 112 Mauerer und 192 Arbeiter – also zusammen 575 Leute im Tunnel beschäftigt waren. Hinzu kam noch das Personal der Eisenbahn. Bei den Baumaßnahmen kam es immer wieder zu Wasserweinbrüchen sowie einem weiteren Einsturz. Am 23. August 1905 behinderte ein Gerüstbrand die Arbeiten, so dass wegen der Verqualmung mehrere Tage die Arbeit ruhte. Wie es hierzu kam, konnte trotz Vernehmung der Arbeiter und Schachtmeister nicht geklärt werden. Auch Unglücksfälle waren zu beklagen, denn am 18. Januar 1906 fanden bei einem Gewölbeeinsturz drei Arbeiter den Tod. Hier wird in dem Bericht ausgeführt: „Nach dem Unfall haben 100 Arbeiter ihre Beschäftigung aufgegeben, in etwa 10 Tagen hofft aber der Unternehmer, dass bis dahin Ersatz beschafft werden wird!“ Nach gut zwölf Monaten am 1. Juli 1906 konnte schließlich der planmäßige Betrieb wieder aufgenommen werden. Für die Reisenden brachte der Tunneleinsturz erhebliche Zeitverluste mit sich. Viele nahmen den Weg zu Fuß über den Rehberg, der sogar ausgeleuchtet war. Man hatte sogar ein Bahnhofsrestaurant in Langeland – früher Tunnelstation genannt – errichtet. Hierzu schreibt das Westfälische Volksblatt mit Datum vom 6. Juli 1906 als Bildunterschrift: Die im Altenbekener Tunnel verschüttet gewesene Lokomotive „Aida“ geht jetzt auf dem hiesigen Bahnhof und dann in die Werkstätte zur Reparatur. Deren bedarf sie sehr, denn, wie schon bemerkt, ist sie stark verbogen und sonst lädiert , wenngleich sie ihre fast einjährige Einschließung besser überstanden hat, als zu hoffen wagte. Die blanken Messingteile sind ihr sämtlich genommen worden, wie man annimmt von den italienischen Arbeitern, die schwarz lackierten schweren Messingstücke sind dagegen geblieben. Hätten kundige Hände die Messingsachen beseitigt, würden sie sicher die wertvollsten Stücke nicht vergessen haben. Wir bringen ein Bild der Lokomotive in ihren jetzigen Zustand.

Fotos: Archiv-Heimatpflege

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