Glaubenszeugnis junger Altenbekener Christen Schwester Prof. Dr. Theodula in Altenbeken

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v.l.n.r. Frau Ursula Thiele (KAB), Pastor i.R. Hubertus Wiedeking, Schwester Theodula, Joachim Lachenicht (KAB), Geistlicher Rat Ludwig Kinkel v.l.n.r. Frau Ursula Thiele (KAB), Pastor i.R. Hubertus Wiedeking, Schwester Theodula, Joachim Lachenicht (KAB), Geistlicher Rat Ludwig Kinkel

„Altenbeken war meine erste Liebe!“ So bekannte Schwester Theodula, als sie am 11.11.2004 im voll besetzten Pfarrheim auf Einladung der KAB über das „Glaubenszeugnis junger Altenbekener Christen“ sprach. Von 1941 bis 1947 weilte sie auf ihrer ersten Stelle im Schwesternhaus Altenbeken und war im katechetischen Dienst der Gemeinde an Kinder und Jugendlichen eingesetzt. Hier erlebte sie die schicksalsschweren Jahre der Kriegs- und Nachkriegszeit. Hier erfuhr sie auch das mutige Glaubenszeugnis von Jugendführern und –führerinnen zusammengefunden, die sich aus christlichem Geiste dem Ungeist der Nazis widersetzte. Die Jugendlichen hätten die „Programmpunkte der Nationalen Reichskirche“ (N.R.) und die Predigten des Bischofs Graf von Galen, des Löwen von Münster, heimlich auf Speichern und in Kellern vervielfältigt und verbreitet, ein Unterfangen, das mit Todesgefahr verbunden war. Hausdurchsuchungen und Verhöre bei der Gestapo in Bielefeld brachten keine Beweise zu Tage. Ein Jugendlicher habe die zirkulierende Dokumente unter dem Bienenstock vergraben, aufbewahrt. Verdächtige und wegen ihrer Gesinnung als „undeutsch“ geltende Jugendliche seien als Soldaten zur Baukompanie eingezogen, wo sie an vorderster Front der Schützengräben gefallen oder als vermisst gemeldet seien. Die Nazis wollten keine Märtyrer. Namentlich erwähnte Schwester Theodula den Theologiestudenten Alfons Bieling, der nach eidesstattlichen Zeugenaussagen von seinem Kompaniechef im März 1945 erschossen wurde, da er eigenmächtig seinen Trupp zurückverlegt hatte, offensichtlich um das leben der Soldaten zu retten. Es sei ihr ein Herzensanliegen, so Schwester Theodula, die vorbildliche Haltung junger Altenbekener Christen aus der dunklen Nazizeit herauszustellen und ihr Zeugnis in der Erinnerung zu bewahren. So sucht die 86-jährige Schwester heute auf ihrem Heimaturlaub nach Zeitzeugen und Dokumenten, um die damaligen Ereignisse dem Vergessen zu entreißen. Der gespannt lauschenden Zuhörerschaft, die an die Hundert ging, legte sie selbst Kopien der „Programmpunkte der Nationalen Reichskirche“ und Auszüge aus der Euthanasie-Predigt des Bischofs von Münster vor. Verständlich, dass sich ihrem Vortrag eine lebhafte Diskussion mit manchem persönlichen Erlebnissen einiger Zeitzeugen anschloss. Schwester Theodula (A. Müller) vom Missionsorden in Neuenbeken ist seit 1951 in der Missionsarbeit Südafrikas tätig. Als Professorin für Religionspädagogik an der Universität Transkai und als Verfasserin von Religionsbüchern hat sie sich einen Namen gemacht und wurde mit verschiedenen Auszeichnungen geehrt. Die Universität verlieh ihr als erster Frau auf diesem Lehrstuhl den Titel „Professor Emeritus“ und von der Kirche erhielt sie den Orden „Pro Ecclesia et Pontifice“. Noch heute hält sie „Workshops“ für Lehrer und Katecheten. Mit Plänen für neue Religionsbücher geht sie, wie sie selbst sagt, noch schwanger. Sie sollen dem Thema „Christlicher Jüngerschaft heut“ gewidmet sein.
  

 

Fotos: Archiv Heimatpflege

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