1866 wurde in Altenbeken ein Kriegerverein gegründet.

geschrieben von  Rudolf Koch
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So wechselvoll, wie die Geschichte des früheren Kriegervereins, ist auch die Historie der alten Kriegerfahne von 1866. Mit Ende des 2. Weltkrieges verschwand nicht nur der Verein , sondern auch die Fahne, die wahrscheinlich von den Besatzungstruppen verbrannt worden wäre. Der ehemalige Bürgermeister Willi Ernst soll sie dann im Rathausarchiv entdeckt haben und übergab sie am Sebastiantag des Jahres 1989 in die „Obhut“ der Schützenbruderschaft. Da zuerst ein würdiger Ort fehlte, wurde sie vom früheren Sparkassen -Zweigstellenleiter Joachim Lachenicht, der dem Vorstand der Bruderschaft angehörte, im Tresorraum der Sparkasse aufbewahrt. Erst bei Fertigstellung der Fahnenvitrine wurde das Unikat dann in einem Raum der Eggelandhalle deponiert und wird hier von den Altenbekener Sportschützen „behütet“, Historie des Altenbekener Kriegervereins: Aus alten Aufzeichnungen des Kyffhäuser Landesverbandes Westfalen/Lippe geht hervor, dass in Altenbeken im Jahre 1866 – zur Zeit der Einigungskriege – ein Kriegerverein gegründet wurde. In diesem Verein sollten „Königstreue, Vaterlandsliebe und sittlich religiöser Sinn“ gefördert werden. Der Zweck dieses Vereins bestand auch darin, bedürftige Mitglieder zu unterstützen. Die Errichtung des Kyffhäuserdenkmals 1896 auf dem sagenumwobenen Kyffhäuserberg in Thüringen war der Auftakt zur Gründung des Kyffhäuser Reichskriegerbundes. Diesem übergeordneten Reichsbund schloss sich auch die Kriegerkameradschaft Altenbeken an. Durch Spenden und Beiträge hatten die Krieger – und Bürgervereine beachtliche Sozialleistungen vollbracht. Die Satzung aus dem Jahre 1876 regelte in sieben Paragraphen die Belange der Vereinigung. So wurde festgelegt, dass jeder Kamerad sich mit „ unwandelbarer Treue und Hingebung, sowie mit allen Kräften und Liebe für Kaiser und Vaterland“ einzusetzen habe. Das Eintrittsgeld betrug 1,50 Mark und der monatliche Beitrag 0,25 Mark. Ausgeschlossen wurde ein Mitglied : 1. - wenn derselbe Anstand und Sitte gröblich verletzte 2. - den Anordnungen des Vorstandes hartnäckig Widerstand entgegen brachte 3. - ein Mitglied bei Versammlungen beleidigte 4. - wegen einer unehrenhaften Handlung gerichtlich verurteilt war In weiteren Paragraphen wurden die Aufgaben des Vorstandes, der Verwaltung des Vereinsvermögens und die Organisation bei Zusammenkünften, sowie bei Festen festgelegt. Auch die Unterstützung der Hinterbliebenen und die Begräbnisse verstorbener Kameraden wurden geregelt. 1891 wurde dann die Satzung auf 21 Paragraphen erweitert. Jetzt wurde sogar festgelegt, ob auch bei „Selbstmord“ eine Beihilfe zu den Beerdigungskosten gewährt werden konnte. Zahlreiche Aufzeichnungen sind leider in den letzten Kriegsjahren verloren gegangen. Festzustellen bleibt jedoch, dass der Kriegerverein neben dem Schützenverein lange Jahre das Vereinsleben in Altenbeken bestimmt hat. Nach dem Deutsch – Französischen Krieg gedachten die Mitglieder besonders des Sedan - Tages. Kameradschaftsfeste, an denen häufig Gastvereine teilnahmen, feierte man im Vereinslokal dem „Bahnhofshotel Höschen“. Nach Ende des 2. Weltkrieges hatten die Militärbehörden den Kyffhäuserbund und mit ihm alle Kameradschaften zunächst verboten. Der letzte Vorsitzende des Altenbekener Kriegervereins von 1866 war der Bauer Johann Tilly. Der Volksbund wurde dann 1952 im Bundesgebiet wiedergegründet. In Altenbeken konnten die alten Traditionen jedoch nicht wieder belebt werden.  Das Gruppenbild aus dem Jahre 1911 zeigt die Mitglieder des Kriegervereins mit dem damaligen Pfarrer Heinrich Bokel (Mitte mit Hut in der Hand) vor dem Vereinslokal Höschen. (Bild rechts): Joachim Lachenicht und Ortsheimatpfleger Rudolf Koch mit der alten Fahne des Kriegervereins vor dem Bahnhofshotel, dem damaligen Vereinslokal. Die Fahne ist das letzte Unikat des Kriegervereins und wird beim Schützenverein aufbewahrt.

Fotos: Archiv Heimatpflege

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