Vor 100 Jahren -am 1. März 1912- bekam Altenbeken eine zentrale Wasserversorgung.Die sparsame Gemeinde verzichtete sogar auf teueren Strom und nutzte die Wasserkraft für den Transport in den Hochbehälter.Von Rudolf Koch, Ortsheimatpfleger.

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Als die ersten Menschen sich im oberen Beketal niederließen, war in dieser Zeit ohne Zweifel der Wasserreichtum des Tales für ihren Entschluss mitbestimmend. Zahlreiche klare Quellen und Bäche fließen das ganze Jahr hindurch, doch nach der stärkeren Besiedlung mit Bauernhöfen und Gewerbebetrieben nahm die Verschmutzung der Gewässer derart zu, dass die Verwendung für den täglichen Gebrauch als Trinkwasser fast nicht mehr möglich war. Im Jahre 1906 bis 1909 traten verstärkt Scharlach, Diphtherie und Typhus auf, so dass sich die Gemeindevertretung 1911 entschloss, eine zentrale Wasserversorgung zu bauen. Es wurde eine Baukommission gebildet, der Ingenieur Ernst Schluchtmann, Paderborn, Bahnmeister Vogt und Betriebswerkmeister Holzapfel, Altenbeken, angehörten. Mit der Ausführung der Arbeiten wurde der Spezialunternehmer für Wasserleitungsbauten Ingenieur Hermann Schäfers, Weimar, beauftragt. Als Bauleiter wurde Ingeneuer Ernst Schluchtmann bestimmt. Im Frühjahr 1911 konnte mit dem Bau der Quellfassungsanlage und der Verteilerleitungen begonnen werden.. Durch das günstige Gefälle von der Quelle bis zum Pumpwerk auf dem Grundstück der früheren „Oberen Mühle“ , konnte der Einsatz von teuerer elektrischer oder sonstiger maschineller Kraft vermieden werden .Hierzu zählte u.a. die 10.500 Mark teuere „Doppelt wirkende stehende Lambach’sche Wassersäulenmaschine“, die das Wasser durch eine Steigleitung in den 160 Kubikmeter fassenden Hochbehälter auf der Höhe der Ebene westlich der Warburger Eisenbahnstrecke beförderte. 7,2 Kubikmeter Wasser pro Stunde schaffte die Lambachpumpe in den Hochbehälter – rund 170 Kubikmeter pro Tag. Infolge der günstigen Witterung gingen die Bauarbeiten zügig voran, so dass am 1. März 1912 die Wasserversorgung in Betrieb genommen werden konnte. Die Kosten beliefen laut Rechnung des „Technischen Bureau“ Ernst Schluchtmann Paderborn vom 18. Juli 1912 auf 66.444,07 Mark. Es wurde eine „Polizeiverordnung über den Anschluß der bebauten Grundstücke innerhalb des Dorfes an die Gemeinde – Wasserleitung“ erlassen, welche einen Anschlusszwang vorsah. Hier wurde in § 4 angeordnet, dass mit einer Geldstrafe von 3 bis 30 Mark oder auch mit einer verhältnismäßigen Haft zu rechnen ist. Diese Polizeiverordnung wurde auf Veranlassung des Amtmanns Mersmann durch den Polizeisergeanten Winsel am 20. und 27. November 1911 durch „Ausrufen“ im Dorf den Einwohnern mitgeteilt. Die Einsprüche einiger Hausbesitzer mit eigenen Quellbrunnen gegen diese Satzung sah jedoch vor, dass diese Quellen nur als Viehtränke, jedoch nicht als Trinkwasser benutzt werden durfte. Die Wassergebühren wurden nach Satzung vom 15. Oktober 1913 nach der Einkommensteuer festgelegt und betrugen jährlich zwischen 4,00 bis 24,00 Mark. Hierzu kamen noch Zuschläge für eine Wassertoilette und Bad sowie für Gewerbebetriebe. Da der Bedarf an Trinkwasser immer mehr anstieg – man sprach sogar von einer „Wasservergeudung“ - konnte dieses erst durch den Einbau von Wasseruhren im Jahre 1951 gebremst werden. Altenbeken nahm in den folgenden Jahren durch die Ausweisung neuer Baugebiete immer mehr zu, auch das Leitungsnetz zeigte starke Undichtigkeiten, so dass die alte Lambachpumpe die Wassermengen nicht mehr schaffte und sie wurde außer Betrieb gesetzt und durch zwei Kreiselpumpen ersetzt. Damit hatte die „Historische Doppelt wirkende sehende Lambachsche Wassersäulenmaschine“ aus dem Jahre 1911 ausgedient, die über 50 Jahre die Bewohner des Beketales mit köstlichen Nass versorgt hatte. Die Stadtwerke Paderborn erwarben dann diese „Historische Wassersäulenmaschine“ und in Zusammenarbeit mit den technischen Schulen am Bischofsteich in Paderborn wurde sie restauriert und als technisches Denkmal auf den Schulhof der Richard von Weizsäcker – Schule aufgestellt. Am 28. Mai 1997 übergaben dann die Stadtwerke dem Leiter der Schule Dieter Leiweke, im Beisein von Altbundespräsident Dr. Richard von Weizsäcker, die alte „Doppeltwirkende stehende Lambach’sche Wassersäulenmaschine.(siehe Bild) Der Hochbehälter aus dem Jahre 1912,(siehe Bild) wurde im Jahre 1999 im Zuge einer ABM- Maßnahme auf Initiative des Ortsheimatpflegers Rudolf Koch restauriert und bleibt somit der Nachwelt erhalten. Eine gegossene Hinweistafel wurde angebracht und eine neue Eisentür eingebaut. In all den Jahren wurde die Wasserversorgung in der Eggegemeinde immer weiter ausgebaut und versorgt heute 25.000 Menschen.

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