Ein trauriges Weihnachtsfest im Eisenbahnerdorf Altenbeken vor 110 Jahren - ein Mahnmal am Schierenberg erinnert an ein schweres Eisenbahnunglück

geschrieben von  Rudolf Koch
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An der Landstraße von Altenbeken und Neuenbeken wurde nun vom Landesbetrieb Straßenbau NRW, unter der Leitung von Albert Kohlhagen, von seinen Mitarbeitern ein Mahnmal an der Böschung freigeschnitten und gesäubert, dass an ein folgenschweres Unglück vor 110 Jahren erinnert. Es ist ein einfaches schlankes Steinkreuz in modernen neugotischen Formen, wobei die Enden in Kreuzblumen ähnlichen Gebilden auslaufen. Wenige der eiligen Zeitgenossen, die hier vorbei fahren, wissen von der Bedeutung dieses vier Meter hohen Mahnmals, das spätere Generationen an ein schweres Unglück erinnern soll,welches sich nicht weit vom kleinen Viadukt ereignete. In diesem Jahr feierten die Bewohner des Eisenbahnerdorfes ein trauriges Weihnachten !! Denn kurz vor diesem Fest mussten 12 Menschen ihr Leben lassen, als am 20. Dezember 1901 ein Eisenbahnunglück auf der Bahnstrecke Neuenbeken - Altenbeken die Menschen dieses Raumes erschütterte. Deshalb wurde auch ein Kreuz von Maurermeister Ewers aus Neuenbeken hier aufgstellt, das von dem Bildhauer Paschen aus Paderborn gefertigt wurde. In den behauenem Sandstein am Sockel des Kreuzes sind die lateinischen Worte eingemeißelt : " A. D. 1901. 20. 12. O VOS OMNES QUI TRANSITIS PER VIANI ATTENDITE:" Übersetzung der lateinischen Inschrift : "O ihr alle, die ihr vorüber gehet des Weges, merket auf". Außerdem ist am Sockel des Kreuzes die nachstehende deutsche Inschrift angebracht : "Betet für die Seelen der 11 Reisenden, welche am Vorabend von ST. Thomas allhier auf dem Bahngleis eines jähen Todes verstarben". Wie aber kam es zu diesem folgenschweren Eisenbahnunglück ? Der um 11,45 Uhr von Paderborn abfahrende D - Zug 31,bespannt mit Zug - und Schiebelok, überfuhr hinter Neuenbeken bei der früheren Blockstelle " Schierenberg " ein Pferd, das einem Bauern entlaufen war. Der Zug mußte deshalb anhalten, um das Pferd, der unter die Räder der Lokomotive geraten war, zu beseitigen. Da dieser Vorgang über 15 Minuten dauerte, erinnerte der Wärter der zurückliegenden Blockstelle " Keimberg " seinen Kollegen an die Zurückmeldung, weil ihm ein Personenzug vorgemeldet war. Er glaubte nämlich, dieses sei von dem Wärter auf Block " Schierenberg " vergessen worden. Aus unerklärlichen Gründen beachtete der Blockwärter in "Schierenberg" die für die Sicherung bestehende einfache und klare Vorschrift nicht, wonach die Entblockung des vorliegenden Blocksignals erst nach Vorbeifahrt des Zuges erfolgen darf. Er stellte unbegreiflicher Weise das für den D - Zug bereits gezogene Signal wieder auf " Halt " und bediente den Streckenblock. Dieses ermöglichte seinen Kollegen auf der Blockstelle " Keimberg " sein Signal auf " Fahrt " zu stellen., wodurch der mit zwei schweren Dampflokomotiven bespannte Personenzug mit voller Geschwindigkeit auf die Schiebelok des D - Zuges auffuhr. Erschwerend kam noch hinzu,daß dichter Nebel war,der nur eine Sicht von 50 Metern zuließ. Durch den gewaltigen Aufprall wurde die Schiebelokomotive auf den letzten Reisezugwagen geschleudert und begrub ihn unter sich. Sie stand mit der ganzen Länge auf dem Unterbau des zertrümmerten Reisezugwagens, in dem 11 Reisende getötet, 7 schwer und 3 leicht verletzt wurden. Die Unfallopfer wurden zunächst im nahen Bahnwärterhaus auf Stroh gebettet und anschließend ins Krankenhaus gebracht, wo dann noch ein Reisender seinen schweren Verletzungen erlag. Damit sich ein so schweres Eisenbahnunglück nicht noch einmal ereignet, wurde dann bei der Eisenbahn als entscheidende Verbesserung die " Elektrische Druckknopfsperre " eingeführt, durch die erst dann zurückgeblockt werden kann, wenn tatsächlich ein Zug darüber hinweggefahren ist. Die Bilder zeigen: Die Renovierung und Freischneidung des Historischen Kreuzes durch die Straßenmeisterei und dem Ortsheimatpfleger.Somit erinnert es auch die „eiligen“ Autofahrer an das folgenschwere Ungück vor 110 Jahren kurz vor Weihnachten des Jahres 1901.Diese 110 Jahre alte Fotografie zeigt die Unglücksstelle am Schierenberg.

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