Vor 70 Jahren wurde in Altenbeken der Ortsverband der

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Am 2. September 1946 kam ein Transport Heimatvertriebener , ca. 70 Personen, zumeist aus Riegersdorf (Schlesien) in Altenbeken an. Mit den wenigen Habseligkeiten wurden sie in dem teilweise zerbombten Saal des Hotels Hoeschen geleitet. Hier fand die Registrierung der Ankommenden und die Verteilung auf die noch vorhandenen unterbelegten Wohnhäuser statt. Es war natürlich, dass die Ankömmlinge von den jeweiligen Haus - oder   Wohnungsinhabern nicht immer mit Freuden empfangen wurden. Wohltuend war, dass im Saal Hoeschen durch das Rote Kreuz und der Caritas eine kräftige Haferflockensuppe ausgegeben wurde. Dieses, so schrieb der Chronist, wird uns stets in Erinnerung bleiben.

Über die Einzelschicksale zu berichten, würde den Rahmen dieser Aufzeichnungen sprengen, doch im Laufe der Jahre wurde ihnen Altenbeken zur neuen Heimat, obschon viele ihre Hoffnung auf Rückkehr mit in`s Grab nahmen. Nach Kommunalwahlen im Jahre 1948 hatten nun auch Ostvertriebene Sitz und Stimme in den Gemeinde - und Stadträten. In Paderborn wurde der frühere Breslauer Gustav Zogol Stadtrat und kurz darauf entstand in Paderborn der Verein: "Interessenvereinsgemeinschaft der Ostvertriebenen".

Auch in den Gemeinden des Kreisgebietes kam es zur Gründung von Ortsverbänden.

In Altenbeken wurde im Mai 1948 auf Veranlassung des Kreisvorsitzenden der Interessengemeinschaft der Ostvertriebenen (IdO) Herrn Fabianek und seinem Kreisgeschäftsführers Herrn Scarabis in der Gaststätte Westfälischer Hof der Ortsverband Altenbeken gegründet. Als erster Vorsitzender wurde Herr Rektor Georg Kürschner (Bild) gewählt. Schriftführer wurde Herr Lehrer Wygasch und Kassierer Herr Mescheder.

Von den im Beruf stehenden Mitgliedern erwartete man einen Monatsbeitrag von 50 Pfennig, Rentner und Witwen errichteten 30 Pfennig. Zum Aufbau und Erhaltung einer arbeitsfähigen Kreisgeschäftsstelle sollten die Ortsverbände 70% ihrer Einnahmen an den Kreis abführen.

Diese Interessengemeinschaft der Ostvertriebenen bemühte sich bei den Behörden durch Rücksprache und schriftliche Eingaben bestehende Schwierigkeiten , besonders in Angelegenheiten des Wohnraumes so gut es ging zu helfen. Dabei war Frau Wygasch als Schreibmaschinenkraft behilflich und wertvoll. Sehr oft saß der Vorstand mit ihr in der Zweizimmerwohnung in der ersten Etage des Alten Schulgebäudes bis in die späten Nachtstunden zusammen, um die Eingaben der Bittsteller abgabereif zu fertigen. Die Arbeit im Ortsverband, welcher inzwischen in "Bund der Vertriebenen eV" umbenannt wurde, ging weiter. Viele gut besuchte Veranstaltungen, Busfahrten, usw. wurden getätigt aber das Hauptaugenmerk richtete sich selbstverständlich auf die Pflege ostdeutschen Kulturgutes. Auch hierin sei dem Herrn Kürschner ein Denkmal gesetzt, denn als Leiter der Katholischen Volksschule in Altenbeken brachte er seinen Schülern die Bedeutung des Ostens im Unterricht bei.

Nun wurde diese Interessengemeinschaft, die nur noch aus sechs Mitgliedern bestand, nach langen Jahrzehnten am 29. November 2012 aufgelöst. Letzter Vorsitzender (siehe Bild rechts) war seit 2003 Joseph Lammers.

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