Optischer Telegraf Nr. 33 auf dem Rehberg in Altenbeken: Zum 175. Jubiläum der optischen Telegrafenlinie 1833 – 2008 wurden Schilder aufgestellt

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Die Aufstellung des Informationsschildes durch Heimatpfleger Rudolf Koch, Heimatfreund Julius Schramm und den Beauftragten für Boden-denkmalpflege Prof. Hans Walter Wichert Die Aufstellung des Informationsschildes durch Heimatpfleger Rudolf Koch, Heimatfreund Julius Schramm und den Beauftragten für Boden-denkmalpflege Prof. Hans Walter Wichert

von: Rudolf Koch, Ortsheimatpfleger Rechtzeitig zum Tag des Denkmals am Sonntag, dem 14. September 2008 wurde in Zusammenarbeit der Heimatpflege und Bodendenkmalpflege, Forstbetreuung und Gemeindeverwaltung Altenbeken eine Sichtschneise vom Turmstandort der Telegrafenstation Nr.33 der Preußischen optischen Telegrafenlinie am Rehberg in Altenbeken in Richtung zur Station Nr. 32 Oeynhausen (Kreis Höxter) geschaffen. Somit ist der Nachbartelegraf in Richtung Berlin zu sehen. Es lässt sich jetzt anschaulich erfahren, welche Leistung die Telegrafisten in der Zeit von 1833 bis 1849 erbringen mussten, die je Minute einmal die jeweilige Nachbarstation durch ein Fernrohr zu beobachten hatten. In Ergänzung zur bisherigen Kennzeichnung des Standortes dieses Telegrafenturmes durch einen heimischen Sandsteinfindling mit den eingemeißelten Daten, der gemeinsam vom Heimatpfleger Altenbeken, der Telekom und der EGV Abteilung im Jahre 1992 veranlasst worden war, ist nunmehr zusätzlich ein aktuelles Schild mit der Geschichte des Standortes aufgestellt worden. Zusätzlich weist ein von der Landstraße 755 Altenbeken - Langeland sichtbares Schild auf den technikhistorischen Punkt am Rehberg hin. Die Schreinerarbeiten fertigte kostenlos Schreinermeister Anton Leniger aus Buke. Am Sonntag ( 14. September 2008) – dem Tag des Denkmals – wurde vom Heinz Nixdorf – Museums – Forum ein Impulslaser am Turmstandort aufgestellt, der mit Erfolg vom Nachbar- Stationsstandort Oeynhausen durch ein Fernrohr, das dem ursprünglich ab 1833 verwendeten ähnlich war, beobachtet. Unter großer Beteiligung zahlreicher interessierter Gäste wurde das Jubiläum 175 Jahre optische Telegrafenlinie 1833 – 2008) von Berlin über den Altenbekener Rehberg nach Koblenz gefeiert. Bild (links): Die Aufstellung des Informationsschildes durch Heimatpfleger Rudolf Koch, Heimatfreund Julius Schramm und den Beauftragten für Boden-denkmalpflege Prof. Hans Walter Wichert. Im Hintergrund des Erinnerungssteines erkennt man die Beobachtungsschneise zur Nachbarstation in Oeynhausen. Bild (rechts): An der Informationstafel für Wanderer wurde auch ein Hinweisschild in der Nähe der L755 angebracht. 175 Jahre optische Telegrafie 1833 – 2008 Um eine schnelle Verbindung in die preußischen Rheinprovinzen zu bekommen, ließ die preußische Regierung Berlin in den Jahren 1832 bis 1834 die optische Telegrafenlinie zwischen Berlin und Koblenz errichten. Die ca. 700 km lange Strecke bestand aus 62 Telegrafen-stationen. Sie war eine militärische Einrichtung, daher wurde sie auch von Soldaten bedient. Jede Station war mit zwei Mann besetzt. Vermittelt wurden nur Nachrichten, die staatlicher oder dienstlicher Art waren. Sie konnten in Berlin, Köln oder Koblenz in dem Büro der Linie aufgegeben werden, aber nur von solchen Personen oder Behörden, die vom König das Recht dazu verliehen worden war. Die Nachrichten waren häufig verschlüsselt, so dass sie nur von wenigen Personen verstanden und an ihrem Empfangsort wieder entschlüsselt werden mussten. Die Durchführung war nur Offizieren vorbehalten. Die gesamte Anlage der 62 Stationen kostete ca. 170.000 Taler und die jährliche Unter-haltung 53.400 Taler. Ein Telegrafen-haus für zwei Familien kostete 1700 Taler und die technische Einrichtung ca. 650 Taler. Der Obertelegrafist verdiente im Jahr 312 Taler und der Unter-telegrafist 212 Taler. An Miete wurden 5% des Gehaltes abgezogen. Im oberen Stockwerk jedes Hauses befand sich das Wachzimmer, indem sich die Besatzung aufhielt. Hier befand sich das untere Ende eines Mastes, der durch die Raum-decke hindurch ging und noch sechs Meter darüber hinaus ragte. An ihm waren drei weithin sichtbare, bewegliche Holz-doppelarme angebracht, ca 175 cm lang und ca. 35 cm breit. Sie waren gitter-artig durchbrochen, damit sie dem Wind möglichst wenig Widerstand boten. Die Arme waren durch ein Seil mit einer Kurbel im Wachzimmer verbunden, von wo aus sie durch Drehungen an der Kurbel in verschiedene Stellungen gebracht werden konnten. Hierdurch konnten 4096 verschiedene Zeichen gebildet werden. Wurde bei der Nachbarstation ein Zeichen eingestellt, so teilte der Spähtelegraf dieses dem Kurbeltelegraf mit, der die Arme dann auch dementsprechend ein-stellte und so wurde dieses der nächsten Station weitergegeben. Man brauchte für die Weitergabe eines mittleren Satzes von Berlin bis Koblenz ca. 90 Minuten. Historisches zur Station 33 [Altenbeken] An der Südseite des 427 m hohen Reh-berges in der Egge bei Altenbeken ent-stand auf einem 88 Quadratruten [ca.: 1250 m²] großen Grundstück für 3.309 Taler die Station Nr. 33. Von Juli bis September 1833 bezog Zimmermeister Todt aus Herste aus dem Königlichen Walde, Oberförsterei Altenbeken, 1330 Kubikfuß Eichen – Nutzholz [ca. 41 m³] und 27 Stück Nadelholztannen zum Aufbau des Telegraphengebäudes auf dem Rehberg. Noch im Jahre 1833 wurde die Linie betriebsfertig. Am 32. März 1849 ging die Telegrafendirektion aus dem Bereich des Kriegsministers in das Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten über. Schon am 24. März 1849 beantragten die Erben des Eisenhütten-faktors Langen in Altenbeken, Simmers-bach, bei der Forstinspektion Paderborn die Abgabe des Telegrafen-hauses an sie und boten Tausch-grundstücke an. Ver-wenden wollten sie das Haus als Wohnung für den Steiger am Antoniusschacht, der ganz in der Nähe lag. Sie brauchten das Fachwerkhaus auch als Ersatz des 1843 wegen Baufälligkeit abgerissenen Steiger-hauses. Bis zur Entscheidung über die endgültige Nutzung wurde das Haus sogar durch den Wächter Bartels bewacht. Wenn auch die Königliche Telegrafen-direktion in Berlin am 6. August 1849 der Regier-ung in Minden die Abgabe der Station 33 Altenbeken (Rehberg) gegen Zahlung des Kaufpreises als Wohnung für den Steiger des Eisenhammers vorschlägt, scheinen doch die Bedenken der Forst-inspektion Paderborn den Ausschlag gegeben haben, die bei Abgabe von Gebäuden im oder am Königlichen Walde durch dauernde Wünsche der Käufer um zusätzliche Landverpach-tungen oder Landverkauf eine stetige Belästigung des Dienstbetriebes voraus-sah. Am 23. Oktober 1850 wurde die Telegrafen-direktion benachrichtigt, dass die Station 33 Altenbeken Rehberg für 330 Taler zur Unterbringung eines Forst-schutzbeamten gekauft und vom königlichen Finanzminister genehmigt war. Durch Ministerialregskript vom 17. September 1852 wurde die Forstaufseherei Schwaney aufgehoben und in Altenbeken auf dem Rehberg mit 1449 Morgen neu gebildet. Der Forstaufseher erhielt das vom Militärfiskus erworbene ehemalige Telegrafenhaus als Dienst-wohnung. Im Jahre 1852 wird als Schutzbeamter zu Rehberg ein Mohr genannt. Als Unter-mieter wohnt Forstaufseher und Kriegs-Reserve-Jäger Ludoviecus Großkopf, verheiratet mit Ludovica Schlüter bei Förster Mohr, dessen Nachfolge er bei dessen Pensionierung zum 1. November 1853 interimistisch übernimmt. Diese Stelle behält er bis zu seiner Ver-setzung als Förster nach Vlotho. Nach-folger auf dem Rehberg wird vom 1. Oktober 1855 an Forstaufseher Menke aus Hakenberg bis zu seiner Pensionierung am 1. Januar 1859. Zum 1. April 1859 wurde Oberjäger von der Beck vorübergehend mit dem Forst-schutz Rehberg betraut. Ab 1. April 1859 übernahm Forst-Hilfsaufseher Fiege bis zum 1. Mai 1864 die Stelle. Ihm folgte dann Hilfsaufseher Ernst Rudolph Knothe aus Schmechten. Dieser war vorher Ober-jäger beim 1. Schlesischen Jäger Bataillon Nr. 5 gewesen. Ab 1. Oktober 1866 wurde die Försterstelle Rehberg aufgelöst und der Bezirk nach Buke, Bollerborn und Kempen zugewiesen. Förster Knothe wurde zur Oberförsterei Hardehausen versetzt. Das Haus kaufte der Graf von Mengersen zu Rheder, dem das Gut Himmighausen gehörte. Durch Vertrag vom 20. Oktober 1870 wurde zwischen dem Forstfiskus und dem Grafen von Mengersen ein Flächen-tausch abgeschlossen. Das Fachwerk-gebäude wurde in Himmighausen wieder aufgebaut und diente dort weiter als Forsthaus. So wohnte dort noch 1952 der pensionierte Förster Diethelm. Im Winter 1966/67 verkaufte der damalige Besitzer des Gutes Himmighausen, Jesko von Puttkamer dieses Haus an die Familie Zölfl, in deren Besitz es noch heute ist. Diese alte Telegraphenstation, im Dorf auch Hexenhaus genannt, steht also auch heute noch. Zu erwähnen sei noch, dass die Telegrafen sogar eine Köchin hatten. So wird eine aus dem Sauerland stammende Gertrud Volpert erwähnt. Diese heiratete später den hiesigen Gastwirt Conrad Daum, dem das zur Zeit des Eisen-bahnbaues gutgehendes Hotel - nämlich der Teutoburger Hof - gehörte. Zur Erinnerung an die optische Telegrafen-station wurde am Standort auf dem Rehberg auf Initiative des Orts-heimatpfleger Rudolf Koch ein Erinnerungsstein aufgestellt Dieser wurde am 27. September 1992 von der Abteilung des Altenbekener Eggegebirg-vereins Altenbeken eingeweiht.

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