Die Altenbekener Bahnhofsgaststätte schließt. Somit geht eine Ära auf dem Knotenbahnhof zu Ende.

geschrieben von  Rudolf Koch
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Ein historischer Rückblick:

Als im Jahre 1864 der Altenbekener Bahnhof in Betrieb genommen wurde, errichtete man für die Reisenden eine Bahnhofswirtschaft mit Wartesaal. Ein so genanntes „Fürstenzimmer für Hohen Besuch“ wurde auch eingerichtet. In der Ortschronik werden anfangs dann die „Restaurateure“ Johan Kniewel und Johan Halin genannt. Hier wird berichtet, dass auf dem hiesigen Bahnhof ein Personenwechsel stattgefunden habe. Der seit der Fertigstellung des Bahnhofs im Jahre 1864 erste Restaurateuer (Gastwirt) Johan Kniewel, ist am 1. März 1873 nach Soest verzogen. Ihm folgte dann Johan Halin aus Düsseldorf. Im Jahre 1910 wird dann der Bahnhofswirt Ewe in der Chronik vermerkt. Er muss es zu einem beachtlichen Vermögen gebracht haben, denn er kaufte das gesamte Vermögen des in Konkurs gegangenen Ackerwirtes Johan Glitz. Als Preis werden angeben 48.000 Mark (Haus und 60 Morgen Ackerland). Das Wohnhaus wurde dann von ihm mit einem Kostenaufwand von 17.000 Mark als Läden und Wohnungen umgebaut. (ehemalige Kaufhaus Blume, zuletzt Schlecker.) Er führte die Bahnhofsgaststätte bis zum Jahre 1930 und verzog nach Kassel. Dessen Nachfolger wurde dann der Wirt Winter bisher in Niederhone (Eschwege-Hessen) . In der Chronik wird vermerkt, dass für die Reparaturen der Warteräume und der Wohnung des Bahnhofswirtes 40.000 Mark investiert worden sind. Die Bahn gab einen Zuschuss von 15.000 Mark. Der Chronist vermerkt weiter: „Die schön ausgestatteten Warteräume des Bahnhofs werden am Sonntag von Einheimischen so zahlreich besucht, dass im Monat 5.400 Bahnsteigkarten gelöst wurden.“ Im Jahre 1933 übernahm dann Georg Voigt mit seiner Gattin Lieschen den Betrieb. Er war vorher Schiffskellner und hatte dann die Bahnhofswirtschaft in Brakel übernommen, ehe er nach Altenbeken kam. Die Tochter Elisabeth, verheiratete Brockmann, kann sich noch gut an diese Zeit erinnern. In den Kriegsjahren waren die Räume immer rappelvoll. Die Reisenden haben zum Teil auf den Fußböden übernachtet. Für Bestecke – wie Löffel und Gabel wurde sogar Pfand kassiert, denn zu dieser Zeit konnte man alles gebrauchen. Für die angestellten Kellnerinnen und Kellner wurde der Oberboden des Bahnhofs als Zimmer ausgebaut. Bei den Bombenangriffen auf dem Viadukt, wurde auch das Bahnhofsgebäude stark beschädigt. Nach dem Krieg übernahm im Jahre 1946 dann der Bahnhofswirt Karl Scharfenberg die Gaststätte des Bahnhofs. Auch unter seiner Führung nahmen die Gaststätten zweiter und dritter Klasse einen rasanten Auftrieb. Altenbeken wurde immer mehr ein wichtiger Umsteigebahnhof. Kraftfahrzeuge gab es kaum in den ersten Nachkriegsjahren – man fuhr mit der Eisenbahn. Der Wirt Karl Scharfenberg war ein Original und bei den Eisenbahnern und Postlern sehr bekannt. Eine Tradition wurde dann durch die Familien Klüter fortgesetzt. Der Großvater vom heutigen Pächter Ingo Klüter betrieb die Bahnhofsgaststätte in Bad Driburg und sein Vater Otto Klüter übernahm dann im Alter von 33 Jahren mit seiner Frau Margot am 29. Dezember 1959 die Gaststätte im Knotenbahnhof Altenbeken. Dieses Ehepaar hat diesen traditionellen Betrieb mit viel Elan geführt. Beim Eintreffen der Züge fuhren der Bahnhofswirt oder ein Kellner sogar mit einem rollenden Servicewagen über die Bahnsteige entlang der haltenden Züge, um den Reisenden Erfrischungen und heiße Würstchen anzubieten. Am 28. Dezember 1992 fand dann im Fürstenzimmer die Geschäftsübergabe an seinen Sohn Ingo statt. (Das Bild zeigt die Übergabe - auch der damalige Bürgermeister Willi Ernst gratulierte)Seine Fachausbildung hatte Ingo Klüter im Hotel – Restaurant Neuhaus in Bad Driburg absolviert. Mit Wirkung vom 1. Januar 1993 setzte er nun die 3. Bahnhofsgaststätten – Tradition Klüter fort. Symbolisch wurde dem 25jährigen Sohn Ingo der Schlüssel des Privatsekretärs und das Kassenbuch überreicht. Am 24. Mai 2013 - nach fast 20jähriger Tätigkeit - gab er nun die Bahnhofsgaststätte auf. „Es lohnt sich einfach nicht mehr“, so der scheidende Bahnhofswirt. „Schon mit Wegfall von Bahnanbindungen im Jahr 2000hat sich die Zahl der Gäste halbiert“. Der Fahrkartenverkauf soll aber ab Juni 2013 weiter erfolgen und zwar im ehemaligen Fahrkarten – Verkaufsraum am östlichen Kopf des Bahnhofsgebäudes. Außerdem soll auch ein Kioskbetrieb hier eingerichtet werden.

 

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