Vor 70 Jahren am 26. November 1944 wurde in Altenbeken der Viadukt zerstört

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Viadukt nach der Zerstörung Viadukt nach der Zerstörung

Bei Beginn des 2. Weltkrieges wurde wieder, wie schon im Kriege 1914/18, eine scharfe Bewachung dieses strategisch wichtigen Bauwerks angeordnet. Zu den Wachtposten wurden später Abwehrgeschütze, deren Zahl sich bis auf 30 Rohre steigerte zum Schutze aufgestellt. Als dann die Welle der Luftangriffe auf die Eisenbahnanlagen übergriff, wussten auch die Bewohner des Beketales, dass auch für ihr stolzes Wahrzeichen bald die schwere Stunde kommen würde.

So kam sie dann auch :

An einem Sonntag, dem 26. November 1944 kurz nach dem Hochamt in der kath. Kirche gab es um 11,19 Uhr eine öffentliche Luftwarnung - also Fliegeralarm - und um 11,37 krachten völlig überraschend die Donnerschläge der Bombenexplosionen durch das Tal, rissen die schweren Steinquadern des Viaduktes aus dem Gefüge und brachten Brückenbögen und Pfeiler zum Einsturz. Zwei weitere Pfeiler stürzten nach und ein vierter musste am folgenden Tage wegen Einsturzgefahr von Pionieren gesprengt werden. Eine Lücke von hundert Metern klaffte nun zwischen den starken Gruppenpfeilern, die dem weiteren Einsturz Halt boten. An drei weiteren Gewölben waren schwere Schäden zu verzeichnen, doch hielten sie dem Seitendruck stand.

In der Altenbekener Chronik schreibt der damalige Chronist Dr. Heinrich Schulze:

" Als der Angriff vorbei war, sah das „Unterdorf“ einer totalen Verwüstung ähnlich. Der Viadukt war an zwei Stellen getroffen worden. Der Angriff, der nur den Viadukt treffen sollte, hat aber auch das gesamte Unterdorf erfasst. Eine Vernichtungsflut, wie sie unser Eggeort wohl noch nie gesehen hat, war in einer Viertelstunde über uns hinweg gebraust. 12 Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude sind völlig zerstört, 43 schwer und 32 leicht beschädigt. 27 Wohnhäuser waren nicht mehr bewohnbar. 71 Familien mit insgesamt 324 Männern, Frauen und Kindern mussten in das „Oberdorf“ umquartiert werden."

An Toten waren zu beklagen drei Frauen und fünf Kinder. Sie gehörten zur Familie des Lokomotivführers Wilhelm Drewes, die am Alten Kirchweg wohnten. Nur ein Sohn, konnte lebend unter den Trümmern hervorgezogen werden. Auch der Ölmüller Bernhard Claes, dessen Mühle unmittelbar am Fuße des Viaduktes lag, war vermisst. (Die Leiche wurde erst im August 1957gefunden)

So zählte man in Altenbeken angesichts der großen Menge abgeworfener Bomben zunächst nur eine verhältnismäßig kleine Zahl von neun Getöteten. Die Leichen wurden nach dem Ende des Angriffs zunächst auf dem Alten Friedhof und dann in der Gastwirtschaft "Westfälischer Hof" aufgebahrt. Nach acht Tagen wurden sie dann kirchlich beerdigt.

Die acht Kriegsopfer wurden auf dem Marktplatz aufgebahrt und dann beerdigt.

Mitten in die Aufräumungsarbeiten eines Massenaufgebotes von Arbeitern - unter ihnen viele Kriegsgefangene - schlug ein weiterer Angriff 3 Tage später (29.11.) dem Viadukt und dem nahen Bahnhof wieder schwere Wunden.

Die Flakstellungen erhielten schwere Treffer. Auf der Halde des Kalkwerkes wurden die Geschütze der Flak buchstäblich umgepflügt. Bei diesem Angriff sind 22 Menschen getötet worden und über 75 schwer verwundet. Unter den Toten befanden sich allein fünfzehn der seit drei Tagen in Altenbeken eingesetzten Arbeiter. Sie wurden mit Autos und der Bahn abtransportiert.

Auf den grünen Talwiesen und an den Berghängen reihten sich die tiefen Bombeneinschläge. Auch die jahrhunderte alte Kreuzkapelle teilte das Schicksal des Viaduktes. Der Friedhof erhielt mehrere Volltreffer; Skelette und Sargteile lagen verstreut in der Umgebung.

Schwere Grabsteine wurden durch die Bombenexplosionen bis auf den Viadukt geschleudert. Eine Umsteigestelle am Westende der Talbrücke deren Treppe mit ihren 120 Stufen noch manchen Reisenden in unangenehmer Erinnerung bleiben wird, wurde in größter Eile hergerichtet. Wie nach dem ersten Angriff begann man sofort mit den Aufräumung - und Reparaturarbeiten. Die Bevölkerung des Dorfes besserte ihre Häuser aus. Bürgermeister Volkhausen verließ kaum noch sein Gemeindebüro. Es waren vor allen Dachziegel und Teerpappe zu beschaffen, damit die Dächer ausgeflickt werden konnten. Nachbarschaftshilfe - besonders auch Hilfe aus dem Oberdorf - waren an der Tagesordnung.

Auch der Wiederaufbau am Viadukt begann und schon am 10. Februar 1945 waren aus vorbereiteten Stahlkonstruktionen zwei starke Tragpfeiler erbaut und die beiden Fahrbahnen durch je zehn Stahlträger von einen Meter Höhe wieder hergestellt.

Der Verkehr rollte wieder!!

Die Bewohner des Beketales aber kauerten in sicherer Entfernung in Straßenunterführungen, in Wasserdurchlässen und im Rehbergtunnel wohl wissend, dass sobald die erste Lokomotive wieder über den Viadukt dampfen würde, mit einem erneuten Angriff zu rechnen war.

Der Viadukt wurde notdürftig wieder befahrbar gemacht.

Bei den Luftangriffen am 26. November 1944 auf den Viadukt mussten auch in Buke und Schwaney Menschen ihr Leben lassen.

Hier die Toten aus der heutigen Großgemeinde:

 

Altenbeken : 9 Tote

Drewes Elisabeth, die Kinder Drewes Karl, Drewes Wilhelm, Drewes Anna, die Verwandten aus Köln Volmari Cilly, Bohnert Maria, Bohnert Marlis, Bohnert Kurt und der Müllermeister Claes Bernhard.

FerdinandDrewes23

                      Der Überlebende Ferdinand Drewes vor dem Grabmal auf dem alten Friedhof

Buke: 16 Tote :

Bürgermeister Heinrich Klenke, Anna Klenke mit den 3 Kindern Anna, Ewald, Heinrich und ein Kind, das an dem Tag getauft werden sollte, Konrad Schäfers, Franz Schäfers, Anna Schäfers u. Sohn Ferdinand, Clementine Striewe, Anton Striewe, Clementine Schöttler, Käthe Küpers, Melanie Fiege u. Anna Bielefeld.

GedenksteinSpring

Gedenkstein in Buke am Spring

Schwaney: 4 Tote

Theresia Bentler, Sohn Josef Bentler, Tochter Theresia Bentler, Evakuierte aus Duisburg: Anna Kothes

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