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Zeitzeugen berichten über die Bombardierung in Altenbeken.

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Ordensverleihung Anton Niggemeier,+ Ortsheimatpfleger Ordensverleihung Anton Niggemeier,+ Ortsheimatpfleger

Ein Zeitzeuge der damaligen Zeit war auch der Werkmeister beim Bahnbetriebswerk Altenbeken, Anton Niggemeier, der spätere Ortsheimatpfleger in Altenbeken.

Er hat die Angriffe miterlebt und niedergeschrieben:

Wörtliche Wiedergabe:

Ein schwarzer Tag in der Geschichte Altenbekens.“


All zu leicht werden im wechselnden Geschehen unserer Tage die Drangsale und Nöte jener Zeit vergessen, als in den letzten Kriegsmonaten der Bombenkrieg über unsere engere Heimat hinweg raste. Manche Schreckenstage sind jedoch unauslöschlich in das Gedächtnis unserer Generation eingetragen.

Ein solcher Tag war für Altenbeken der 22. Februar 1945, an dem zwei schwere Angriffe auf den Viadukt und Bahnhof die Bewohner des Eggedorfes in Angst und Schrecken versetzten und Tote, Verletzte, Schutt und Trümmer hinterließen. Der am 26. November 1944 beschädigte Viadukt war wegen seiner großen Bedeutung für den Verkehr unter riesigen Einsatz von Menschen und Material wieder hergestellt und am 10. Februar 1945 in Betrieb genommen. Die Bewohner des Dorfes ahnten und fürchteten , dass die Brücke nicht länger als 14 Tage ihren Zweck erfüllen würde. Schon am Morgen verließen alle, bis auf einige Unentwegte, die Wohnungen, um sich in stark überdeckte Bahnunterführungen und hergerichteten Wasserdurchlässen, im Tunnel oder in den Wäldern in Sicherheit zu bringen. Die Bauern des Unterdorfes hatten ihre bespannten Wagen, auf der Deele stehen, beluden sie mit dem, was ihnen lieb und teuer war, um bei Alarm in rasender Fahrt in Richtung der Wäl-der aus der Gefahrenzone zu entfliehen. Nach-dem am fraglichen Morgen seit acht Uhr Alarm und Entwarnung in ununterbrochener Folge gewechselt hatten, näherte sich nach einem weiteren Vollalarm um 13:15 Uhr Flugzeuggeräusch von Südosten her. Wer noch im Orte war, flüchtete erschreckt in Keller und Schutzräume. Furchtbar war das Krachen und die Erschütterung , welches um 13:30 Uhr die explodierenden schweren Bomben verursach-ten. Dreimal flogen die Fliegerschwärme Dorf und Bahnhof an, dreimal schien die Erde zu bersten. Als das Flugzeuggeräusch leiser wurde, lag über dem Westteil des Bahnhofs und der benachbarten Ortwallstraße eine dichte Staub – und Rauchwolke.

Bald ließ sich der Schaden erkennen:

An der Ortwallstraße hatte der Bombenhagel eine breite Lücke in die Häuserreihen beiderseits der Straße gerissen. Zehn Häuser waren vollständig zerstört. Zahlreiche weitere stark beschädigt, die Straße durch riesige Bombentrichter unterbrochen. Während 24 Menschen im Keller des Schwesternhauses auf fast wunderbarer Weise gerettet werden konnten, verloren unter den Trümmern der Post – Wohngebäude acht Menschen ihr Leben. In der Oberen Sagestraße, in unmittelbarer Nähe der mit hunderten schutzsuchenden Menschen besetzten Bahnunterführung zerschlugen die Bomben zwei Gebäude, worin ein junges Mädchen einen frühen, schrecklichen Tod fand. Das Bahnhofsgelände war im südlichen und westlichen Teil mit Bombentrichtern übersät. Der Westteil bildete ein wüstes Knäuel von zerstörten, brennenden Wagen, zerrissenen Lokomotiven, verbogenen Schienen und Weichen. Mehrere brennende Benzinkesselwagen schickten eine haushohe Lohe und dunkele Rauchwolken in die klare Winterluft. Trümmer von drei Lokomotiven und zwei Dutzend Wagen mussten in tagelanger Räumarbeit beseitigt werden. Aber noch war der Schrecken nicht am Ende. Nach kurzer Entwarnung flogen überraschend gegen 16:11 Uhr schwere Bomber bei klaren Himmel den Viadukt noch einmal vom Süden an. Von den gut gezielten elf schwersten Bomben traf eine das östliche Wiederlager, riss die Brückenbogen ein und zerstörte das Fundament bis in zehn Meter Tiefe. Eine weitere drückte die meterstarken Mauern der altehr-würdigen Wallfahrtskapelle wie ein Kartenhaus ein und warf eine mehrhundertjährige Linde auf den Trümmerhaufen. Eine andere zerschlug einen tiefen Luftschutzstollen am Berghange und begrub darin eine unbekannte Anzahl von Menschen. Trotz anstrengender Rettungsarbeiten unter Einsatz von Bergleuten konnte erst nach acht Tagen ein Lebender geborgen werden. 18 Tote wurden auf dem Alten Friedhof beigesetzt. Das Bekebett war durch die Bomben zerstört und in Teich und Sümpfe verwandelt. Als dann in der Abenddämmerung ein feindlicher Aufklärer in geringer Höhe das Tal überflog, konnte er mit dem Ergebnis des Tages zufrieden sein. Vernichtung von Millionen an Werten und Gütern, frischen Gräber in langen Reihen“.


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