Die letzten Tage des Krieges in Altenbeken und die ersten Tage des Neubeginns

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Am 4. April 1945 wurde Altenbeken von amerikanischen Soldaten eingenommen.

Durch die unsinnige Verteidigungshaltung junger SS-Soldaten mussten drei Zivilpersonen ihr Leben lassen.

Die Altenbekener Bevölkerung sehnte das Ende des Krieges herbei – hatte sie doch als wichtigen Eisenbahnknotenpunkt in den letzten Monaten des Krieges sehr leiden müssen. Der Viadukt, der Bahnhof und viele Wohnhäuser waren durch Bomben zerstört. Noch am 30. März 1945 um 17:20 Uhr erlebte Altenbeken – durch zwei Jagdbomber – seinen letzten und sechsten Angriff. Die Altenbekener saßen wegen der ununterbrochenen Alarme Tag und Nacht in Kellern und Wasserdurchlässen oder flüchtete in den Eggewald, um aus den gefährdeten Gebieten heraus zu kommen. Der Ortsgruppenleiter der NSDAP hatte sich zum Einsatzleiter erklärt und saß in einer Baracke auf dem Marktplatz. Als die Altenbekener dann das Geschützfeuer der näher kommenden Front aus südwestlicher Richtung hörten, wurde der Volkssturm alarmiert. Alle wehrfähigen Männer hatte sich bei der Einsatzstelle zu melden. Die Waffen-SS unterwiesen die Männer des Volkssturms in der Handhabung der Panzerfaust, sowie im Handgranatenwerfen. In den Abendstunden des 3. April 1945 fühlten sich die Amerikaner mit Panzerspähwagen bis zum großen Viadukt vor – zogen sich dann aber wieder zurück. Auf der Höhe des Sommerberges war Maschinengewehrfeuer zu hören, dann aber wurde es wieder ruhig. Auch in der Nacht zum 4. April geschah nichts – endlich hatte die Zivilbevölkerung etwas Ruhe. Morgens um 8:00 Uhr wurde auf dem Bahnhof der Betrieb eingestellt. – es fuhr kein Zug mehr. Gegen 10:00 Uhr setzte starkes Maschinengewehrfeuer im Westen ein und es schlugen einzelne Artilleriegranaten ein. Die Altenbekener Bevölkerung saß voller Unruhe in den Kellern, Bunkern und Wasserdurchlässen. Man sah vereinzelt deutsche Soldaten und Waffen-SS im Ort, die sich aber nach einem kurzen Gefecht in Richtung Bollerborn, Driburger Grund und auf die Höhen des Eggewaldes zurückzogen. Die Soldaten sollten Altenbeken verteidigen und insbesondere bei der „Alten Kirche“ die Straße unpassierbar machen, um den amerikanischen Panzern den Weg zu versperren. Der damalige Chronist Dr. Schulze schreibt wörtlich in die Kriegschronik: „Was sollen aber die wenigen SS-Leute und Soldaten ohne schwere Waffen gegen Panzer ausrichten? Jeder vernünftige Mensch muss doch einsehen, dass Widerstand zwecklos ist. Der Krieg ist für Deutschland verloren – dieses muss doch jeder einsehen. Was hat dieses Land noch zu erwarten?“ Nachmittags gegen 15:00 Uhr rückten dann amerikanische Panzertruppen in den Ort vor. Die sogenannten „Verteidiger“ zogen sich zurück – doch am kleinen Wasserbogen, am Schützenweg, in dem sich viele Altenbekener Bürgerinnen und Bürger befanden kam es zu Schießereien. Im nahe gelegenen Driburger Grund waren nämlich Soldaten und SS-Leute in Deckung gegangen und gefährdeten damit die Zivilbevölkerung, die sich dort versteckt hielten. Den Schutzsuchenden im Wasserdurchlass wurde von ihnen befohlen, die weiße Fahne, die man schon gehisst hatte, einzuziehen. Als man sich darauf hin nach draußen wagte, um dem Befehl de SS-Soldaten nachzukommen, wurde der Eingang von einem amerikanischen Panzer beschossen. Hierdurch waren mehrere Verwundete und Tote zu beklagen. Es starben die 17 Jahre alte Klara Koch und der 47 Jahre alte Johannes Kemper. Johannes Eusterholz, 51 Jahre, verstarb an den schweren Verwundungen zwei Tage später. Den jungen SS-Leuten wurden schwere Vorwürfe gemacht, weil sie mit ihrer Verteidigungshaltung die Zivilbevölkerung gefährdet hatten und an den Toten Schuld trugen. Viele dieser „Vaterlandverteidiger“ glaubten immer noch an den „Endsieg“, den Hitler und Göbbels propagiert hatten. So mussten in Altenbeken kurz vor Kriegsschluss unschuldige Menschen ihr Leben lassen. Den ganzen Nachmittag bis 18:00 Uhr sowie am nächsten Tag rollten schwere Panzer durch Altenbeken in Richtung Buke und Rehberg. Die amerikanischen Soldaten richteten in Altenbeken eine Ortskommdantur ein und ließen eine Besatzungstruppe zurück, die jeden Tag neue Bekanntmachungen anschlug. Mehr-fach mussten die Häuser ganzer Straßenzüge für nachrückende Truppen geräumt werden. Wenn dann die Soldaten die Wohnungen wieder geräumt hatten, sah es schlimm aus! Zum Amtsbürgermeister wurde von den Besatzungstruppen, der bei Beginn der NS-Zeit im Jahre 1933 aus dem Amt entlassene, Bürgermeister Hachmann ernannt. So allmählich begann sich das Leben wieder zu normalisieren. Bürgermeister Volkhausen rief alle arbeitsfähigen Männer zu Notstandsarbeiten auf - galt es doch die Straßen wieder passierbar zu machen und die Bombentrichter zu verfüllen. Da Bahn und Post noch nicht wieder ihren Dienst aufgenommen hatten, folgtenalle diesem Aufruf.Am 19. April fuhren auf dem Bahnhof auch wieder Züge und zwar US – Militärzüge. Lokomotiven mit amerikanischem Personal aus Richtung Bielefeld kommend rollten nun über die Bahngleise der Reichsbahn in Richtung Kassel. Obschon der Krieg noch nicht zu Ende war, blieb es in Altenbeken ruhig. Viele Fremdarbeiter wurden abtransportiert. Auf dem amerikanischen Militärwagen wehten plötzlich rote Sowjet-Fahnen.  

Am 8. Mai 1945 um 0,00 Uhr schwiegen die Waffen in Deutschland – die Deutsche Wehrmacht hatte kapituliert. Die katholische Pfarrgemeinde ging mit ihrem Pfarrer Franz Greinemann am Sonntag wieder ihre Kreuzprozession. Der „Adolf Hitler Platz“ und die „Hindenburgstraße“ wurden in Marktplatz und Kreisstraße unbenannt. Die Parteifunktionäre der NSDAP wurden verhaftet und in Lager abgeführt. Die Bediensteten von Bahn und der Post mussten wieder zum Dienst erscheinen und die übrigen Einwohner zwischen dem 14. und 60. Lebensjahr mussten sich beim Arbeitsamt in Paderborn melden. Ab dem 10. Mai 1945 übernahm, unter amerikanischer Aufsicht, Personal der Reichsbahn die Leitung des Bahnhofs und ab Juni 1945 fuhren Züge wieder mit deutschen Reichsbahn- Personal .Trotz des zerstörten Viaduktes herrschte reges Treiben. Russische Kriegs – und Zivilgefangene wurden zum Osten befördert, deutsche Kriegsgefangene kehrten heim oder wurden in Lager gebracht. Die Zivilisten reisten meist in offenen oder geschlossenen Güterwagen und wer Glück hatte konnte ein Bremserhäuschen ergattern. Die Passagiere in Richtung Westen mussten am Bahnhof aussteigen, und zu Fuß vom Bahnhof durch Altenbeken, zum Ende des Viadukts, die 120 Stufen die Böschung hinauf.   Dort hinter dem zerstörten Viadukt, war eine Haltestelle eingerichtet worden Hier mussten die Reisenden ein– oder aussteigen. Die Treppe mit ihren 120 Stufen ist noch manchen Reisenden lange Jahre in Erinnerung und somit auch das Eisenbahnerdorf Altenbeken. Der damalige Chronist Dr. Heinrich Schulze schreibt über die Kriegstage und dem Ende in die Kriegschronik:                                                                                                                  

„Nachfolgende Generationen mögen einmal daran denken, was auch die Zivilbevölkerung in diesem Kriege in banger Sorge und großem Leid erdulden musste. Die Einwohnerschaft lebte immer in Angst von feindlichen Fliegerverbänden erfasst zu werden. Die Luftschutzsirenen bliesen Tag und Nacht“! Hoffen wir, dass nie wieder Krieg über die nächsten Generationen hereinbricht!

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