Vor 75 Jahren – am 10. Dezember 1941 – wurde die jüdische Altenbekener Familie Ikenberg ins Ghetto Riga geschickt.

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Die jüdische Familie Ikenberg wohnte viele Jahre in Altenbeken. Doch dann kam ein Schreiben von der Geheimen Staatspolizei, dass am 13. Dezember 1941 tausend Juden „evakuiert“ werden sollen.

„Die zur Abschiebung bestimmten Juden sind am 10. Dezember 1941 in ihren Wohnungen abzuholen und bis 16,00 Uhr nach Bielefeld zum Kyffhäuser am Kesselbrink (Großer Saal“) zu überführen. Die Transporte sind mit der Eisenbahn durchzuführen. Bargeld, Wertgegenstände sind einzuziehen. Die Judenwohnungen sind zu versiegeln.- soweit einen Ausschnitt aus dem Schreiben der Geheimen Staatspolizei in Münster - Außenstelle Bielefeld vom 12. November 1941.

Gemeinsam mit Juden aus Bad Lippspringe und Paderborn, insgesamt 76 aus den vier Hochstiftkreisen, musste sich auch die Altenbekener Familie Ikenberg bis 11,30 Uhr erst einmal an der Sammelstelle Paderborn einfinden, dem Städtischen Schlachthof am Tegelweg.

Der um 14,30 Uhr am Hauptbahnhof Paderborn eingesetzte Zug mit Juden aus dem Kreis Büren nahm die Wartenden am Nordbahnhof, abseits von städtischer Besiedlung, auf.

In Begleitung von zwei Oberwachtmeistern und vie Hauptwachmeistern erfolgte der Transport nach Bielefeld. Um Aufsehen zu vermeiden hatten die Beamten ausdrücklich Zivilkleidung zu tragen. Im Saal der Gaststätte "Kyffhäuser" sammelten sich die ersten Opfer, die von der Gestapo zur weiteren bürokratischen Abwickelung der Deportation übernommen wurden:

Identifizierung und Leibesvisitation, Durchsuchung des Gepäcks, Beschlagnahme von Geld, Wertgegenständen, sowie persönlicher Dokumenten. In der Regel wurden hierfür zwei bis drei Tage angesetzt. Bis zum Abtransport warteten die Opfer unter katastrophalen sanitären Bedingungen im "Kyffhäuser", dessen Boden nur notdürftig mit Stroh bedeckt war.

Vom Kesselbrink erfolgte am 13. Dezember 1941 der Abtransport mit Autobussen der Städtischen Verkehrsbetriebe zum Hauptbahnhof Bielefeld Der Transportzug mit Juden aus dem Regierungsbezirken Münster und Osnabrück traf gegen 15,00 Uhr ein. In den nahezu von 1000 Menschen überbelegten Abteilen müssen die in Paderborn Zugestiegenen einen Platz suchen. Bei dieser langen qualvollen Fahrt von Bielefeld über Hannover, Stendal, Berlin, Schneidemühl, Marienburg, Königsberg, Tauroggen und Mitau, die drei Tage währt, ist schnell das Trinkwasser verbraucht. Als der Zug am 16. Dezember 1941 am Bahnhof Skirotava, etwa 8 Kilometer von Riga entfernt, ankommt, herrschen Temperaturen um Minus 12 Grad. Nach Ankunft treiben die SS-Männer mit Hunden die Ankommenden für den langen Fußmarsch in das Ghetto Riga zusammen. Auf dem Weg werden bereits Alte und Kranke, die nicht weiter können, geprügelt, erschossen und liegen gelassen.

Von 13 Familienangehörigen aus Altenbeken überlebten die Verfolgung in verschiedenen Konzentrationslagern nur zwei - nämlich die Töchter Ilse und Rosa.

Hierüber ist auch eine Broschüre herausgegeben worden. Sie ist in der Altenbekener Buchhandlung Kuhfuß und beim Ortsheimatpfleger Rudolf Koch erhältlich

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