Das Bahnwärterhäuschen (Posten 28) in Buke vor 30 Jahren abgebrochen.

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Bahnwärterhäuschen standen am Schienenstrange Altenbeken-Warburg, die wie kleine, grün umrankte Waldpensionen anmuteten, vor denen in nächster Nähe die roten Rehe ästen und die Hasen ihre Männchen machten. Wärterhäuschen, deren Schranken sich nur heben, wenn gelegentlich ein schweres Holzfuhrwerk oder ein leichter Karren mit dürrem Reisig die Schienen kreuzten. Der Grenzposten der Direktion Wuppertal mit der Nummer 28 gehörte sicherlich nicht zu ihnen. Grenzposten sind eben immer besondere Posten, umwittert von Unruhe, Unrast und Gefahr. Und so war es auch mit diesem Buker Posten, der hart an der Bundesstraße 64 lag und schon immer ein Sorgenkind der Bahnverwaltung war und vorerst auch bleiben wird. In mehreren Windungen kriegten die blanken Gleise vorüber. Während die Sicht in Richtung Altenbeken ein paar hundert Meter beträgt, verschwanden die Schienen zum Bahnhof Buke schon einen guten Steinwurf weiter hinter einem Durchstich. Aus beiden Richtungen fällt die Bundesstraße zum Wärterhäuschen sehr kurz und stark ab, so dass es hier besondere Sicherheitsvorkehrungen der Bundesbahn bedurfte, um Unfälle möglichst zu vermeiden. Infolge der kurzen und schlechten Sicht gab man diesem Posten eine doppelte Warnanlage, ein normales Läutewerk und eine zusätzliche Klingelanlage, die bereits durch Schienenkontakt ausgelöst wurde, sobald ein Zug den Bahnhof Buke eben verlassen hatte. Mehr als 120 Züge donnerten hier im Laufe des Tages in Berg- und Talfahrt vorüber. Doppelt so oft trat der Wärter, der meist Schwerkriegsbeschädigte oder alt war, an das Windewerk, um die Schranken niederzulegen oder wieder hoch zu recken. Durchschnittlich 12 Stunden dauerte der verantwortungsvolle Dienst, der am Posten 28 wirklich Männer mit eisernen Nerven und kühlem Kopf verlangte. Keine Minute des Tages und keine Stunde der Nacht ruhte der Verkehr auf dieser alten Heerstraße. Oft stauten sich die Kraftwagen und Fuhrwerke auf beiden Seiten des Bahnüberganges zu langen Kolonnen. Wie oft forderte unwilliges Hupen das Öffnen der Schranken, wie oft musste der Wärter Grobheiten oder Flüche einstecken, die ihm von Fahrern mit schlechter Kinderstube zuflogen. Aber die meisten übersahen die Gefährlichkeit dieses Überganges und verstanden nicht, dass die Schranken noch geschlossen blieben, wenn ein Zug vorbeigefahren war. Wenn aber kurz darauf ein Gegenzug aus Richtung Warburg vorbei brauste und die Schlagbäume sich unverzüglich hoben, duckten die Fahrer, die eben noch schimpften, beschämt hinter ihr Steuerrad, um dem lächelnden Augen des Beamten, der nur seine Pflicht tat, möglichst flott zu entkommen. Die rot-weißen Schranken am Posten 28 hatten eine merkwürdige Anziehungskraft. Wegen des starken Straßengefälles zur Bahn hin unterschätzten manche Fahrer die Entfernung, bremsten zu spät und drückten die starken Schranken ein. Oftmals versagten auch die Bremsen. Zumeist verblieb es hier bis jetzt bei Sachschäden. Da die Bundesbahn mit der Unvorsichtigkeit der Menschen und der Unzuverlässigkeit ihrer Maschinen rechnete, verfügte der Posten 28 über doppelte Schlagbaumreserven, die oft erneuert werden mussten. Die Schranken selbst hatten eine vorbildliche Beleuchtung, die aus einem Standlicht und einer automatischen Scheinwerferanlage bestand. er Schwellenübergang zwischen den Schienen beim Posten 28 war ein Kapitel für sich. Jeder Fahrer, und war er Theologe, wird hier einen Fluch auf den Lippen gehabt haben, der berechtigt ist. Zweieinhalb Mann teilten sich den verantwortungsvollen Dienst am Posten 28, der zur Bahnmeisterei Willebadessen gehörte. Rund 25 Jahre hatte Bahnwärter Schreiber aus dem Walddorfe Kühlsen hier die Schranken geöffnet und geschlossen und täglich einen Weg von 16 km zurückgelegt. Seine Buker Bahnerlebnisse würden einen stattlichen Band füllen können. Sauber und adrett stand das Wärterhäuschen an der unruhigen Bundesstraße. Astern blühten vor den kleinen Fenstern, und im Gärtchen ringsum prunken Studentenblumen zwischen Gemüse und Suppengrün. Bunt war das Leben hier, hart und lang der Dienst. Aber die Wärter liebten ihn und mochten kein anderes Häuschen eintauschen gegen dieses Sorgenkind, den Posten 28.

Ps.: Im Jahre 1986 - vor 30 Jahren - wurde das Wärterhäuschen, wo die Schranken noch per Hand bedient wurden -  abgerissen

Aus alten Unterlagen (neu aufgesetzt und ergänzt von Hans Norbert Keuter, Ortschronist Buke)

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