Das Schwesternhaus in der Ortwaldstraße in Altenbeken

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Nun verlassen in diesen Tagen die Missionsschwestern vom Kostbaren Blut das Schwesternhaus in der Ortwaldstraße in Altenbeken. Am 26. November 2018 wurde durch Pastor Kinkel unter Beisein von Pfarrer Kersting nun die letzte Heilige Messe in ihrer Hauskapelle gefeiert. Der Pfarrer dankte den Schwestern Stefanis und  Franziska stellvertretend für alle Ordensfrauen, die in diesem Haus Dienst verrichtet haben. Sie werden in Altenbeken nun eine private Wohnung beziehen, was mit dem Schwesternhaus passiert ist noch nicht bekannt.

Doch nun zur Historie des Hauses:

Bereits im Jahre 1916 mitten im 1. Weltkrieg kamen Missionsschwestern von Neuenbeken nach Altenbeken. Sie arbeiteten im Kindergarten und in der Nähschule. Da sie kein eigenes Schwesternhaus hatten, kamen sie täglich von Neuenbeken zu ihren Einsatzort ins Jugendheim. Doch wenige Zeit später wurden diese Einrichtungen wegen Kriegs - und Nachkriegszeiten aufgegeben. Aber im Jahre 1929 ließen sich dann vier Schwestern vom Kostbaren Blut  im Hause des Rechnungsrate Meirich (Ortwaldstr.) als dauerhafter Konvent in Altenbeken nieder. Erste Oberin war Schwester Franka und die weitern Schwestern waren Alipia, als Krankenschwester, Ursulina als Leiterin der Nähschule,  und Blanda leitete den Kindergarten und Erharda arbeitet als Fürsorgerin.

Im Jahre 1936 ist dann auf Veranlassung das damaligen Pfarrers Franz Goller das Haus des Bauunternehmers Ferdinand Tegethoff für 26.000 Mark an der Ortwaldstraße als Niederlassung der Schwestern erworben worden. Während des 2. Weltkrieg wurde das Schwesternhaus häufig als rettende Insel von Flüchtlingen, Heimatvertriebenen Evakuierten und Heimatlosen aufgesucht, um ein warmes Essen zu erhalten. Außerdem betreuten die Schwestern in den Kriegsjahren die älteren Bürgerinnen und Bürger im Altersheim und auch in ihren Privatwohnungen. Auch als Caritasschwestern haben sie auf dem hiesigen Knotenbahnhof an Truppentransport - und Flüchtlingszügen aber auch besonders an Heimkehrertransporten große Dienste geleistet. Beim Bombenangriff, der eigentlich den Viadukt galt, am 22. Februar 1945 wurde das Schwesternhaus vollständig zerstört. Wie durch ein Wunder blieben alle 33 Personen, die im Keller Zuflucht gesucht hatten, unversehrt. Auch das Allerheiligste wurde gerettet, wie die Chronik ausdrücklich erwähnt. Der Wiederaufbau geschah unter großen Schwierigkeiten der Materialbeschaffung und der Finanzierung. Während des Jahres 1946 wurden die Schuttmassen weggeräumt und im August 1947 begann der Wiederaufbau. Das Provinzialat in Neuenbeken hatte mit Schwester Agnetis eine Bauschwester gestellt, welche sich in den Jahren 1947/48 tatkräftig für den Wiederaufbau einsetzte. Die Schwestern wohnten unterdessen im Lehrerwohngebäude in der Kreisstraße. Am 14. Oktober 1950 konnten die Schwestern ihr Heim wieder beziehen und die Hauskapelle wurde dann am 22. Dezember 1950 durch Prälat Rohde aus Paderborn feierlich eingeweiht.

In all den Jahren war das Schwesternhaus St. Anna ein Kristallisationspunkt des Glaubens, der als stilles Zeugnis in die Gemeinde leuchtete.

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