Dienstag, 21 Juli 2020 18:21

Rede an der Gedenkstätte Klusweide des Ortschronisten Norbert Keuter Buke

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Werte Wanderfreunde aus Schwaney, Altenbeken, Asseln, Bad Driburg, Buke und Umgebung, werte Gäste : Heute wollen wir gemeinsam an ein besonders grausames Ereignis vor fast exakt 75 Jahren erinnern. Genau hier starben in den Nachkriegswirren des II. Weltkrieges, am 20. Juli 1945, fünf unschuldige Menschen. Weitab der Dörfer Schwaney und Buke fühlten sich die Bewohner des Forsthauses Klusweide und die nach dem Bombenangriff auf Buke am 26. November 1944 hier einquartierten Bürger im früheren Forsthaus Klusweide nach Kriegsende sicher. Herumstreunende Banden machten jedoch das Eggegebirge unsicher und begingen hier in den frühen Morgenstunden des 20. Juli 1945 eine schreckliche Mordtat. Das was hier geschah, übertrifft sicher heute unsere Vorstellungskraft. Daher ist es umso wichtiger, die Ereignisse des 20. Juli 1945 nicht zu vergessen. Am frühen Morgen dieses 20. Juli 1945 hatte sich gegen 6 Uhr ein LKW mit einer Gruppe von etwa 6 - 8 Tätern (davon 2 weibliche), die wahrscheinlich in den Panzerkasernen in Paderborn untergebracht waren, aus Richtung Schwaney kommend, dem Forsthaus genähert und waren unbemerkt durch den Stall in das Wohnhaus eingedrungen. Einer der am Überfall beteiligten Täter war offensichtlich ortskundig. Er hatte eine auf Klusweide arbeitende Russin, die mit ihrer Situation unzufrieden war, öfters besucht. Alle Hausbewohner, bis auf die Frau des Revierförsters Peters, die in der Küche arbeitete, schliefen noch, als die Mörder in das Haus eindrangen. Sie schlugen Frau Peters und forderten sie auf, alle anderen zu wecken. Diese wurden dann mit gezogenen Pistolen auf die Veranda in der Nähe der Haustür getrieben, wo sie niederknien und sich reglos verhalten mussten. Auf dem Weg dorthin wurde Revierförster Fiege, der an Magengeschwüren litt und sich nicht so schnell bewegen konnte, durch einen Schuss in die Brust getötet. Danach durchwühlten einige Eindringlinge sämtliche Räume. Brauchbares wurde mitgenommen und Essbares zerstört. Nach etwa einer Stunde drängte einer der Plünderer, der wohl befürchtete, dass Schwaneyer Waldarbeiter sich dem Forsthaus näherten, zum Aufbruch. Mehrere Täter trieben die Bewohner in die Waschküche im Keller und gaben den Befehl, bis zehn Uhr dort zu bleiben und drohten jedem, der diesen Befehl nicht einhielt, zu erschießen. Einen Augenblick später rief einer der Mörder: "Alle kaputt"! Wahrscheinlich war es der ortskundige Täter, der erkannt worden war. Mehrere Täter schossen dann wiederholt - einer mit einem Gewehr, die anderen mit Pistolen - in die Waschküche hinein. Nach Ludwig Fiege, (geb. am 31.08.1895) der kurz vorher erschossen war, wurden jetzt die Klusweide-Bewohner teilweise auch durch Kopfschuss getötet. Frau Peters wurde durch einen Lungendurchschuß schwer verletzt. Unter schwierigsten Bedingungen konnte sie nach Driburg gebracht werden, wo sie dank der vorbildlichen ärztlichen Versorgung von Oberregierungs- und Medizinalrat Dr. Ferdinand Hoffschulte überlebte. Die Jugendlichen Renate Fiege und Karl Heinz Pennig überlebten, weil sie für tot gehalten wurden. Sie hatten teilweise unter den blutenden Toten gelegen. Renate Fiege fand danach zunächst Herberge in Buke. Revierförster Emil Peters erlitt einen Trommelfellriss.Insgesamt wurden 36 Geschosshülsen im Keller gefunden. Ludwig Fiege und dessen Sohn Franz Ludwig (geb. am 08.03.1931) sowie Franz Bielefeld, (geb. 1897 zu Wanne Eikel) und Maria Versen (geb. am 22.02.1926 zu Buke) sind in Buke beerdigt worden. Die Grabpflege übernimmt seit Jahrzehnten die Katholische Frauengemeinschaft Buke. Wolfgang Forstreuter wurde zunächst auf dem evangelischen Friedhof in Bad Driburg, später als ehemaliger Soldat auf dem Soldatenfriedhof Brakel zur letzten Ruhe gebettet. Nach dem Krieg wollte er Theologie studieren. Eine Nachforschung bzw. Verurteilung hatte nicht stattgefunden, die scheußliche Tat blieb für immer ungesühnt. Am 23.11.1974 wurde das mittlerweile im schlechten Zustand befindliche Gebäude im Rahmen einer Feuerlöschübung der Löschzüge Buke und Schwaney mit Hilfe von Brandbeschleunigern abgebrannt und später abgerissen. Die Leitung hatte der Amts-Brandmeister Joseph Goeken aus Buke. Die behauenen Steine des Mauerwerkes vom Forsthaus lies Heinrich Bölte als verantwortlicher Bauleiter zum Spring nach Buke bringen. Mit diesen Steinen fasste man den Quellbereich am Spring neu ein. Der letzte Revierförster des Reviers Klusweide war Oberförster Heinrich Kitzmann. Er stammte aus Memelwalde, Ostpreußen. Nach all diesen schrecklichen Geschehnissen war es für Buker Wanderfreunde unter der Führung des heutigen Ehrenvorsitzenden Wilhelm Winkler eine Herzensangelegenheit, dass sich der EGV Buke einige Jahre nach Vereinsgründung zur Errichtung der mittlerweile sehr bekannten Gedenkstätte Klusweide entschloss. Damals war die Erinnerung der Anwesenden noch sehr zeitnah, heute gibt es nicht mehr viele, die sich an den grauenvollen Tag direkt erinnern können. Persönlich bin ich sehr dankbar, mit einigen Zeitzeugen über diese schreckliche Tat gesprochen zu haben. Es waren u.a. Franz Versen, Ferdinand Mozin und Johannes Lütkemeier. Ich bitte Euch nun, gedanklich inne zu halten und an die Mordopfer Maria Versen, Ludwig Fiege, Franz Ludwig Fiege, Franz Bielefeld und Wolfgang Forstreuter von vor 75 Jahren sowie allen uns nahe stehenden und verstorbenen Menschen zu gedenken.

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