Rudolf Koch

Rudolf Koch

Samstag, 25 April 2015 00:00

Kommunion 1919 - Franz Plaß

Aus dem Nachlass der Familie Plaß, Obere Sagstraße wurden der Heimatpflege sehr alte Dokumente, Bilder etc. zur Verfügung gestellt. Sie sind es wert einer größeren Öffentlichkeit zur Einsicht vorgestellt zu werden. Zum Teil sind sie über 100 Jahre alt, wie man erkennen kann. Ausgestellt wurde dieses Dokument zur Kommunion an Franz Plaß aus einer Ur-Altenbekener Familie stammend.

Der Text: ANDENKEN AN DIE ERSTE HEILIGE COMMUNION: FRANZ PLAß HAT DIE ERSTE HL: COMMUNION EMPFANGEN IN DER PFARR= KIRCHE ZU Altenbeken DEN 18. April 1909. Pfarrer Bokel.

Mittwoch, 22 April 2015 00:00

Einschulung 1919 in Katholische Volksschule

Im Jahre 1919 hatte man in Altenbeken noch keine Sorgen, dass die Schule wegen Kindermangel geschlossen werden musste. Wie auf dem Gruppenfoto (von Familie Plaß) zu erkennen ist waren allein 63 "Knaben" in einer Klasse. In dieser Zeit wurden die Jungen und Mädchen noch getrennt unterrichtet. Da ist es nicht verwunderlich, dass Lehrer Johannes Altrogge (rechts im Bild) auch einmal den Rohrstock betätigen musste.

Anton Bannenberg ist König der Könige, der Westen gewinnt erneut

 Das diesjährige Königspokal- und Kompanieschießen fand am 29. März statt und wurde erstmalig auf der Schießanlage des Schießvereins Sportschützen Altenbeken e.V. in der Eggelandhalle ausgetragen. Geschossen wurde mit dem Kleinkalibergewehr auf eine Scheibe in 50 Meter Entfernung. Die Scheibenausgabe war von 11.00 Uhr bis 15:00 Uhr.Jeder Schütze, der sich für die Kompaniewertung anmeldete, konnte bis zu zwei Durchgänge mit jeweils 5 Schuss pro Scheibe schießen. Insgesamt stehen ihm hierfür drei Probeschüsse zur Verfügung. Die Scheibe mit dem besten Ergebnis wird gewertet.Die Könige, die um den Königspokal schossen, hatten nur mit einer Scheibe und drei Schuss die Möglichkeit, das Maximalergebnis von 30 Ringen zu erzielen. Zum Kompanievergleichsschießen traten 17 Schützen aus der Ostkompanie und 18 Schützen aus der Westkompanie an. Pro Kompanie wurden 17 Scheiben gewertet und ausgezählt. Das Ergebnis viel denkbar knapp aus. Die Westkompanie siegte mit 563 Ringe gegenüber 560 Ringe der Ostkompanie. In diesem Wettbewerb zeigte der „Westen“ auch in diesem Jahr –wenn auch nur knapp- wieder einmal seine Treffsicherheit. Insgesamt 16 Könige wetteiferten um den Königspokal. Die Ringergebnisse blieben etwas unter den Ergebnissen anderer Jahre, jedoch lagen sie bei den oberen Platzierungen eng beieinander. Für das diesjährige Ergebnis von Platz 4 - 2 entschied nur das bessere Schussbild über die folgende Platzierung:

Platz 4: Dionysius Tofall 25 Ringe

Platz 3: Jürgen Höxter 25 Ringe

Platz 2: Johannes Bölte 25 Ringe

Platz 1: Anton Bannenberg 26 Ringe

Anton Bannenberg, der 1988 König unserer Bruderschaft war, gewann überhaupt zum Ersten mal das Königspokalschießen und sichert sich damit für ein Jahr den Königspokal. Fünf Jungschützen traten um die Würde des Besten an. Frank Bannenberg belegte Platz 3 mit 16 Ringe, Platz 2 belegte André Bartsch mit 22 Ringe und Sieger auf Platz 1 wurde Markus Grußmann mit 23 Ringe. Die Schießstandaufsicht hatten an diesem Tag Anton Bartsch und Martin Hartmann. Ganz besonders bedanken möchten wir uns bei den Sportschützen Altenbeken e.V., die uns ihren Schießstand zur Verfügung stellten und bei dem 1. Vorsitzenden Thomas Gockel, der uns an diesem Tag hervorragend mit Getränken bewirtet hat.

Auch Elli Kanne möchten wir ganz besonders danken, die wieder einmal –wie schon in den vergangenen Jahren- für das leibliche Wohl in Form von Bockwürstchen mit Kartoffelsalat u.v.m, sowie selbst gebackenen Kuchen gesorgt hat.

Foto: Gerd Fornefeld

Als die Mineralölfirma Otto Fricke aus Gütersloh vor 60 Jahren in Schwaney ein geeignetes Grundstück zur Errichtung einer Tankstelle suchte, dachte sicher noch keiner an die mittlerweile 60 Jahre bestehende Tankstelle. Helene Nübel unterschrieb im Jahre 1955 den Tankstellenvertrag und im Frühjahr 1956 begann mit "Handarbeit" der Bau der Tankstelle. Ihre Tochter Agi und Schwiegersohn Bernhard Dirichs, bauten im Laufe ihrer 35 Jahre als Tankstelleninhaber die Tankstelle immer wieder um. Somit war der Name DEA, Texaco und später AVIA in Schwaney vertreten. Vor 25 Jahren verabschiedete sich das Ehepaar Dirichs ins Rentnerleben und Hans Norbert Keuter aus Buke übernahm den Betrieb. Steigende Umweltauflagen mussten in den letzten Jahren erfüllt werden und nach dem erfolgten Umbau präsentiert sich die Tankstelle wie eh und je kundenfreundlich, und das von 6 Uhr in der Früh bis um 18.30 Uhr Abends. Spezialisiert hat sich das Tankstellenteam auf den Reifenservice und die TÜV-Abnahmen, die immer Dienstags und Donnerstags angeboten werden.

"Das Team um die Familien Dirichs und Keuter bedankt sich bei der treuen Kundschaft über die vielen Jahre, den immer hilfsbereiten Nachbarn an der Paderborner Straße und freut sich, auch weiterhin den Kunden zufrieden stellen zu können", so der KFZ-Meister Hans Norbert Keuter

Am 4. April 1945 wurde Altenbeken von amerikanischen Soldaten eingenommen.

Durch die unsinnige Verteidigungshaltung junger SS-Soldaten mussten drei Zivilpersonen ihr Leben lassen.

Die Altenbekener Bevölkerung sehnte das Ende des Krieges herbei – hatte sie doch als wichtigen Eisenbahnknotenpunkt in den letzten Monaten des Krieges sehr leiden müssen. Der Viadukt, der Bahnhof und viele Wohnhäuser waren durch Bomben zerstört. Noch am 30. März 1945 um 17:20 Uhr erlebte Altenbeken – durch zwei Jagdbomber – seinen letzten und sechsten Angriff. Die Altenbekener saßen wegen der ununterbrochenen Alarme Tag und Nacht in Kellern und Wasserdurchlässen oder flüchtete in den Eggewald, um aus den gefährdeten Gebieten heraus zu kommen. Der Ortsgruppenleiter der NSDAP hatte sich zum Einsatzleiter erklärt und saß in einer Baracke auf dem Marktplatz. Als die Altenbekener dann das Geschützfeuer der näher kommenden Front aus südwestlicher Richtung hörten, wurde der Volkssturm alarmiert. Alle wehrfähigen Männer hatte sich bei der Einsatzstelle zu melden. Die Waffen-SS unterwiesen die Männer des Volkssturms in der Handhabung der Panzerfaust, sowie im Handgranatenwerfen. In den Abendstunden des 3. April 1945 fühlten sich die Amerikaner mit Panzerspähwagen bis zum großen Viadukt vor – zogen sich dann aber wieder zurück. Auf der Höhe des Sommerberges war Maschinengewehrfeuer zu hören, dann aber wurde es wieder ruhig. Auch in der Nacht zum 4. April geschah nichts – endlich hatte die Zivilbevölkerung etwas Ruhe. Morgens um 8:00 Uhr wurde auf dem Bahnhof der Betrieb eingestellt. – es fuhr kein Zug mehr. Gegen 10:00 Uhr setzte starkes Maschinengewehrfeuer im Westen ein und es schlugen einzelne Artilleriegranaten ein. Die Altenbekener Bevölkerung saß voller Unruhe in den Kellern, Bunkern und Wasserdurchlässen. Man sah vereinzelt deutsche Soldaten und Waffen-SS im Ort, die sich aber nach einem kurzen Gefecht in Richtung Bollerborn, Driburger Grund und auf die Höhen des Eggewaldes zurückzogen. Die Soldaten sollten Altenbeken verteidigen und insbesondere bei der „Alten Kirche“ die Straße unpassierbar machen, um den amerikanischen Panzern den Weg zu versperren. Der damalige Chronist Dr. Schulze schreibt wörtlich in die Kriegschronik: „Was sollen aber die wenigen SS-Leute und Soldaten ohne schwere Waffen gegen Panzer ausrichten? Jeder vernünftige Mensch muss doch einsehen, dass Widerstand zwecklos ist. Der Krieg ist für Deutschland verloren – dieses muss doch jeder einsehen. Was hat dieses Land noch zu erwarten?“ Nachmittags gegen 15:00 Uhr rückten dann amerikanische Panzertruppen in den Ort vor. Die sogenannten „Verteidiger“ zogen sich zurück – doch am kleinen Wasserbogen, am Schützenweg, in dem sich viele Altenbekener Bürgerinnen und Bürger befanden kam es zu Schießereien. Im nahe gelegenen Driburger Grund waren nämlich Soldaten und SS-Leute in Deckung gegangen und gefährdeten damit die Zivilbevölkerung, die sich dort versteckt hielten. Den Schutzsuchenden im Wasserdurchlass wurde von ihnen befohlen, die weiße Fahne, die man schon gehisst hatte, einzuziehen. Als man sich darauf hin nach draußen wagte, um dem Befehl de SS-Soldaten nachzukommen, wurde der Eingang von einem amerikanischen Panzer beschossen. Hierdurch waren mehrere Verwundete und Tote zu beklagen. Es starben die 17 Jahre alte Klara Koch und der 47 Jahre alte Johannes Kemper. Johannes Eusterholz, 51 Jahre, verstarb an den schweren Verwundungen zwei Tage später. Den jungen SS-Leuten wurden schwere Vorwürfe gemacht, weil sie mit ihrer Verteidigungshaltung die Zivilbevölkerung gefährdet hatten und an den Toten Schuld trugen. Viele dieser „Vaterlandverteidiger“ glaubten immer noch an den „Endsieg“, den Hitler und Göbbels propagiert hatten. So mussten in Altenbeken kurz vor Kriegsschluss unschuldige Menschen ihr Leben lassen. Den ganzen Nachmittag bis 18:00 Uhr sowie am nächsten Tag rollten schwere Panzer durch Altenbeken in Richtung Buke und Rehberg. Die amerikanischen Soldaten richteten in Altenbeken eine Ortskommdantur ein und ließen eine Besatzungstruppe zurück, die jeden Tag neue Bekanntmachungen anschlug. Mehr-fach mussten die Häuser ganzer Straßenzüge für nachrückende Truppen geräumt werden. Wenn dann die Soldaten die Wohnungen wieder geräumt hatten, sah es schlimm aus! Zum Amtsbürgermeister wurde von den Besatzungstruppen, der bei Beginn der NS-Zeit im Jahre 1933 aus dem Amt entlassene, Bürgermeister Hachmann ernannt. So allmählich begann sich das Leben wieder zu normalisieren. Bürgermeister Volkhausen rief alle arbeitsfähigen Männer zu Notstandsarbeiten auf - galt es doch die Straßen wieder passierbar zu machen und die Bombentrichter zu verfüllen. Da Bahn und Post noch nicht wieder ihren Dienst aufgenommen hatten, folgtenalle diesem Aufruf.Am 19. April fuhren auf dem Bahnhof auch wieder Züge und zwar US – Militärzüge. Lokomotiven mit amerikanischem Personal aus Richtung Bielefeld kommend rollten nun über die Bahngleise der Reichsbahn in Richtung Kassel. Obschon der Krieg noch nicht zu Ende war, blieb es in Altenbeken ruhig. Viele Fremdarbeiter wurden abtransportiert. Auf dem amerikanischen Militärwagen wehten plötzlich rote Sowjet-Fahnen.  

Am 8. Mai 1945 um 0,00 Uhr schwiegen die Waffen in Deutschland – die Deutsche Wehrmacht hatte kapituliert. Die katholische Pfarrgemeinde ging mit ihrem Pfarrer Franz Greinemann am Sonntag wieder ihre Kreuzprozession. Der „Adolf Hitler Platz“ und die „Hindenburgstraße“ wurden in Marktplatz und Kreisstraße unbenannt. Die Parteifunktionäre der NSDAP wurden verhaftet und in Lager abgeführt. Die Bediensteten von Bahn und der Post mussten wieder zum Dienst erscheinen und die übrigen Einwohner zwischen dem 14. und 60. Lebensjahr mussten sich beim Arbeitsamt in Paderborn melden. Ab dem 10. Mai 1945 übernahm, unter amerikanischer Aufsicht, Personal der Reichsbahn die Leitung des Bahnhofs und ab Juni 1945 fuhren Züge wieder mit deutschen Reichsbahn- Personal .Trotz des zerstörten Viaduktes herrschte reges Treiben. Russische Kriegs – und Zivilgefangene wurden zum Osten befördert, deutsche Kriegsgefangene kehrten heim oder wurden in Lager gebracht. Die Zivilisten reisten meist in offenen oder geschlossenen Güterwagen und wer Glück hatte konnte ein Bremserhäuschen ergattern. Die Passagiere in Richtung Westen mussten am Bahnhof aussteigen, und zu Fuß vom Bahnhof durch Altenbeken, zum Ende des Viadukts, die 120 Stufen die Böschung hinauf.   Dort hinter dem zerstörten Viadukt, war eine Haltestelle eingerichtet worden Hier mussten die Reisenden ein– oder aussteigen. Die Treppe mit ihren 120 Stufen ist noch manchen Reisenden lange Jahre in Erinnerung und somit auch das Eisenbahnerdorf Altenbeken. Der damalige Chronist Dr. Heinrich Schulze schreibt über die Kriegstage und dem Ende in die Kriegschronik:                                                                                                                  

„Nachfolgende Generationen mögen einmal daran denken, was auch die Zivilbevölkerung in diesem Kriege in banger Sorge und großem Leid erdulden musste. Die Einwohnerschaft lebte immer in Angst von feindlichen Fliegerverbänden erfasst zu werden. Die Luftschutzsirenen bliesen Tag und Nacht“! Hoffen wir, dass nie wieder Krieg über die nächsten Generationen hereinbricht!

Sonntag, 29 März 2015 00:00

Altenbeken und Viadukt im Bombenhagel

Die 2. Auflage des Buches:

"Altenbeken und der Viadukt im Bombenhagel"

von Ortsheimatpfleger Rudolf Koch

ist erschienen.

Vor 70 Jahren war für Altenbeken ein Schicksalstag.

Spezialbomen zerstörten den Viadukt. Viele Opfer waren zu beklagen.

Zeitzeugen erinnern sich an die schreckliche Zeit.

Der damalige Chronist Dr. Schulze, der Bahnhofsvorsteher Collmann, der Chef des Bahnbetriebswerkes Niggemeier kommen zu Wort.

Der Überfall auf das Forsthaus Klusweide vor 70 Jahren, dokumentiert vom Buker Ortschronisten Norbert Keuter und auch die Einnahme Altenbekens durch die Amerikaner wird hier ausführlich behandelt.

                        Das historische Buch ist bei der örtlichen Buchhandlung Kuhfuß und beim Ortsheimatpfleger zu erwerben.

Es ist nun 25 Jahre her, dass die Lilienhahn - Quelle neben der Schützenhalle im Driburger Grund von den Schützen der Bollerborn - Kompanie eingefasst wurde. Ein Findling mit Hinweisschild, das von Schützenbruder Eduard Klahold gestiftet wurde, erinnert an die Quelle, die im Eggewald entspringt. Das Bild zeigt die Einweihungsfeier mit dem damaligen Hauptmann Alfred Hüsken +(3.v.r.) mit seinen Vorstandskollegen. Rechts im Bild der Stifter Eduard Klahold. Das Egge - Wasser wird von vielen "Wasserholern" sehr geschätzt und es herrscht hier immer reger Betrieb!

Der Viadukt und etwa die Hälfte der Häuser in Altenbeken war zerstört oder beschädigt – vor allem im Unterdorf!

116 Häuser mit 120 Wohnungen zu 15%

20 Häuser mit 28 Wohnungen zu 16 – 40%

12 Häuser mit 23 Wohnungen zu 41 – 60%

38 Häuser mit 51 Wohnungen über 60%

Insgesamt waren 191 von 420 Häusern betroffen und 222 von 649 Wohnungen!

 Durch Altenbeken nimmt die Völkerwanderung nun zu. Züge von Paderborn endeten vorübergehend an einem provisorischen Bahnsteig vor dem Viadukt. Auf dem Bild erkennt man eine Treppe, die den Reisenden den Aufstieg erleichtern sollte. Diese Völkerwanderung durch Altenbeken vom Bahnhof kommend und die 120 Stufen den steilen Berg hinauf, ist noch vielen Reisenden in Erinnerung geblieben. Kinder des Dorfes ( auch der Schreiber dieser Zeilen) stellten für das Gepäck und die Koffer Handwagen zur Verfügung. Später wurden sie von den Bauern vertrieben, damit sie von den Reisenden Geld oder Wertsachen kassieren konnten. Das Geld - die Reichsmark - war zu dieser Zeit nichts wert. Es wurde deshalb auch gerne mit Rauchwaren oder Wertsachen „bezahlt“.

Ein Zeitzeuge der damaligen Zeit war auch der Werkmeister beim Bahnbetriebswerk Altenbeken, Anton Niggemeier, der spätere Ortsheimatpfleger in Altenbeken.

Er hat die Angriffe miterlebt und niedergeschrieben:

Wörtliche Wiedergabe:

Ein schwarzer Tag in der Geschichte Altenbekens.“


All zu leicht werden im wechselnden Geschehen unserer Tage die Drangsale und Nöte jener Zeit vergessen, als in den letzten Kriegsmonaten der Bombenkrieg über unsere engere Heimat hinweg raste. Manche Schreckenstage sind jedoch unauslöschlich in das Gedächtnis unserer Generation eingetragen.

Ein solcher Tag war für Altenbeken der 22. Februar 1945, an dem zwei schwere Angriffe auf den Viadukt und Bahnhof die Bewohner des Eggedorfes in Angst und Schrecken versetzten und Tote, Verletzte, Schutt und Trümmer hinterließen. Der am 26. November 1944 beschädigte Viadukt war wegen seiner großen Bedeutung für den Verkehr unter riesigen Einsatz von Menschen und Material wieder hergestellt und am 10. Februar 1945 in Betrieb genommen. Die Bewohner des Dorfes ahnten und fürchteten , dass die Brücke nicht länger als 14 Tage ihren Zweck erfüllen würde. Schon am Morgen verließen alle, bis auf einige Unentwegte, die Wohnungen, um sich in stark überdeckte Bahnunterführungen und hergerichteten Wasserdurchlässen, im Tunnel oder in den Wäldern in Sicherheit zu bringen. Die Bauern des Unterdorfes hatten ihre bespannten Wagen, auf der Deele stehen, beluden sie mit dem, was ihnen lieb und teuer war, um bei Alarm in rasender Fahrt in Richtung der Wäl-der aus der Gefahrenzone zu entfliehen. Nach-dem am fraglichen Morgen seit acht Uhr Alarm und Entwarnung in ununterbrochener Folge gewechselt hatten, näherte sich nach einem weiteren Vollalarm um 13:15 Uhr Flugzeuggeräusch von Südosten her. Wer noch im Orte war, flüchtete erschreckt in Keller und Schutzräume. Furchtbar war das Krachen und die Erschütterung , welches um 13:30 Uhr die explodierenden schweren Bomben verursach-ten. Dreimal flogen die Fliegerschwärme Dorf und Bahnhof an, dreimal schien die Erde zu bersten. Als das Flugzeuggeräusch leiser wurde, lag über dem Westteil des Bahnhofs und der benachbarten Ortwallstraße eine dichte Staub – und Rauchwolke.

Bald ließ sich der Schaden erkennen:

An der Ortwallstraße hatte der Bombenhagel eine breite Lücke in die Häuserreihen beiderseits der Straße gerissen. Zehn Häuser waren vollständig zerstört. Zahlreiche weitere stark beschädigt, die Straße durch riesige Bombentrichter unterbrochen. Während 24 Menschen im Keller des Schwesternhauses auf fast wunderbarer Weise gerettet werden konnten, verloren unter den Trümmern der Post – Wohngebäude acht Menschen ihr Leben. In der Oberen Sagestraße, in unmittelbarer Nähe der mit hunderten schutzsuchenden Menschen besetzten Bahnunterführung zerschlugen die Bomben zwei Gebäude, worin ein junges Mädchen einen frühen, schrecklichen Tod fand. Das Bahnhofsgelände war im südlichen und westlichen Teil mit Bombentrichtern übersät. Der Westteil bildete ein wüstes Knäuel von zerstörten, brennenden Wagen, zerrissenen Lokomotiven, verbogenen Schienen und Weichen. Mehrere brennende Benzinkesselwagen schickten eine haushohe Lohe und dunkele Rauchwolken in die klare Winterluft. Trümmer von drei Lokomotiven und zwei Dutzend Wagen mussten in tagelanger Räumarbeit beseitigt werden. Aber noch war der Schrecken nicht am Ende. Nach kurzer Entwarnung flogen überraschend gegen 16:11 Uhr schwere Bomber bei klaren Himmel den Viadukt noch einmal vom Süden an. Von den gut gezielten elf schwersten Bomben traf eine das östliche Wiederlager, riss die Brückenbogen ein und zerstörte das Fundament bis in zehn Meter Tiefe. Eine weitere drückte die meterstarken Mauern der altehr-würdigen Wallfahrtskapelle wie ein Kartenhaus ein und warf eine mehrhundertjährige Linde auf den Trümmerhaufen. Eine andere zerschlug einen tiefen Luftschutzstollen am Berghange und begrub darin eine unbekannte Anzahl von Menschen. Trotz anstrengender Rettungsarbeiten unter Einsatz von Bergleuten konnte erst nach acht Tagen ein Lebender geborgen werden. 18 Tote wurden auf dem Alten Friedhof beigesetzt. Das Bekebett war durch die Bomben zerstört und in Teich und Sümpfe verwandelt. Als dann in der Abenddämmerung ein feindlicher Aufklärer in geringer Höhe das Tal überflog, konnte er mit dem Ergebnis des Tages zufrieden sein. Vernichtung von Millionen an Werten und Gütern, frischen Gräber in langen Reihen“.


Mittwoch, 04 März 2015 00:00

Lang, lang ist's her