Rudolf Koch

Rudolf Koch

Für die Bewachung der hiesigen Bahnanlagen in Altenbeken, besonders des Viaduktes und des Tunnels im 1. Weltkrieg, wurden 220 Soldaten vom Landwehr-Infanterieregiment aus Münster in Privathäusern einquartiert. Die Soldaten waren Tag und Nacht im Einsatz. Auch die Eisenbahnunterführungen wurden bewacht, wie hier am Hossengrund zu erkennen ist. Eine schöne Aufnahme zeigt die Soldaten mit einer großen Kinderschar vor der Eisenbahnbrücke. (siehe Bild)

Landrat Manfred Müller fordert staatliche Vollfinanzierung: „Flüchtlingskosten sind staatliche, nicht kommunale Kosten"

Die Unterbringung von immer mehr Flüchtlingen und ihre Integration bringen die Kommunen an die Grenzen der Belastbarkeit. Auf der Herbsttagung der Heimatpfleger und Ortschronisten in Büren-Hegensdorf betonte Landrat Manfred Müller, dass es in der aktuellen Situation erst einmal darum gehe, den Flüchtlingen Zuflucht zu gewähren. Bislang seien weit über 3000 Menschen in den Kreis Paderborn gekommen. „Wir dürfen jedoch nicht überfordert werden“, unterstrich der Landrat. Die Kommunen und Hilfsverbände und die vielen ehrenamtlichen Helfer bewiesen gerade eine Stärke, die vorbildlich sei.
Doch auch das gehe nicht ewig so weiter, auch der ganz normale Alltag wolle bewältigt werden. Die Frage der Bleibeperspektive müsse dringend geklärt werden. „Kriegsflüchtlinge oder politisch Verfolgte nehmen wir, nicht zuletzt auch aufgrund der christlich-humanitären Tradition unserer Heimat, auf“, so Müller. Asylsuchende aus sicheren Herkunftsländern müssten jedoch konsequent zurückgeführt werden. Sonst fehle angesichts der großen Zahl die Kraft für die wirklich Bedürftigen.
Zusätzlich zu den Unterbringungskosten kämen dann noch die enormen Kosten der Integration hinzu. Es sei beim Arbeitslosengeld II bereits in 2016 mit deutlichen Kostensteigerungen zu rechnen. Diese Kosten fielen bei den Kreisen an „Das alles übersteigt die Finanzkraft der Kreise, Städte und Gemeinden. Diese Defizite müssen voll ersetzt werden“, fordert Müller. Zu den immensen Anstrengungen dürfe nicht noch die finanzielle Sorge hinzukommen. "Flüchtlingskosten sind staatliche, nicht kommunale Kosten!" so Müller.
Rund 50 Heimatpfleger und Ortschronisten aus dem Kreis Paderborn waren zur Herbsttagung in die Kirche St. Vitus nach Hegensdorf gekommen. Müller dankte den Heimatpflegern und Ortschronisten für ihre „unverzichtbare Arbeit“. Viele junge Gesichter seien in ihren Reihen zu entdecken. Diese Mischung sei gut und wichtig. Und auch die zuziehenden Flüchtlinge mit Bleiberecht müssten in der Region künftig ein Zuhause finden. „Auch das ist Heimatpflege“, sagte Müller.
Auf der Tagesordnung stand die Vorstellung des Dorfes Hegensdorf mit anschließender Besichtigung der Kirche und Heimatstube. Der Ort wurde erstmals in 975 urkundlich erwähnt. Damit gehört die etwa 1000 Einwohner zählende Gemeinde zu den ältesten Ortschaften im Bürener Stadtgebiet. Nach der Begrüßung durch Bürens Bürgermeister Burkhard Schwuchow und Kreisheimatpfleger Michael Pavlicic skizzierte Ortsheimatpfleger Heinz Lummer die 1000-jährige Baugeschichte der St. Vitus Kirche. Das Besondere an der Hegensdorfer Kirche sei ein Kreuz, vielfach Heiliges Kreuz genannt. Über seinen Ursprung berichtet eine Legende, die Ortsheimatpfleger Lummer auf der Tagung vortrug.
Anschließend besichtigten die Gäste die Heimatstube des Heimat- und Verkehrsvereins. Der Verein und besonders sein Vorsitzender Heinz Lummer hatten es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte von Hegensdorf aufzuarbeiten, Funde und Relikte aus vergangenen Zeiten zu sammeln und der Öffentlichkeit in der Heimatstube zugänglich zu machen.

Das Bild zeigt die rund 50 Heimatpfleger und Ortschronisten aus dem Kreis Paderborn vor der Hegensdorfer Kirche. Mit dabei waren Bürgermeister Burkhardt Schwuchow neben ihm Kreisheimatpfleger Michael Pavlicic und Heimatpfleger Vincenz Heggen, Kulturdezernent Ingo Tieman. Es fehlt Landrat Manfred Müller.

Foto und Text: Kreisverwaltung Paderborn

Hier ein paar Fakten aus dem Jahre 1940.

Auf Veranlassung des Ortsbürgermeisters wurde die Ortschronik dem Rektor Alfred Orlinski übertragen, da der frühere Chronist Lehrer Poschmann nach Schlagenthin (Westpreußen) versetzt wurde.

Die Einwohnerzahl in Altenbeken ist als Folge des Krieges von 2 705 im Vorjahr auf 2 588 zurückgegangen, während die Zahl der Haushalte von 624 auf 637 anstieg. Das Standesamt verzeichnete für 1940 insgesamt 62 Geburten (29 männliche und 33 weibliche), 33 Sterbefälle, (20 männliche und 13 weibliche) 17 Eheschließungen waren zu verzeichnen.

An Neubauten sind zu nennen: das Siedlungshaus des Forstarbeiters Uhle am Bollerborn und das von der Firma des Sägewerkbesitzers Christian Lammers in der Kuhlbornstraße (heute Schleef). Außerdem ließ die Gemeinde an der Schwimmanstalt (jetzt Tennisanlage) Umkleideräume und eine Brücke errichten.

In der Chronik ist weiter zu lesen (wörtlich) :" Dem Chronikschreiber war es leider nicht vergönnt, lange seines Amtes zu walten. Nachdem er mehr als 17 Jahre die hiesige Volksschule als Rektor geführt hat, wurde er durch Ministerialerlass zur weiteren Dienstleistung in den Regierungsbezirk Kattowitz abgeordnet. Er schließt seine Eintragungen mit den besten Wünschen für eine glückliche Zukunft der Gemeinde Altenbeken."

Hiernach übernahm dann der Zahnarzt Dr. Heinrich Schulze die Führung der Ortschronik. Dr. Schulze beginnt: " Nun wurde mir die Weiterführung der Ortschronik übertragen. Wie zu lesen hat Herr Rektor Orlinski unseren Ort verlassen. Es war neben seinen Beruf als Schulleiter auch Ortsheimatpfleger in unserer Gemeinde. Genau wie Lehrer Poschmann hat er unseren Ort zu früh verlassen müssen. Beide Lehrpersonen haben ihr Können für die Erziehung unsere Jugend und für die Förderung der Heimatpflege gegeben. Als Weiterführung der Ortschronik möchte ich ihnen ein herzliches "Lebewohl" nachrufen. Möge es mir vergönnt sein, die Chronik bestens weiter zu schreiben, damit in der jetzigen Kriegszeit keine Stockung eintritt und spätere Generationen sehen können , dass es immer auch bei uns Leute gegeben hat, die sich für ihre Heimat eingesetzt haben."

Der Zahnarzt Dr. Schulze führte die Chronik bis zum Ende des Jahres 1946. Nachfolger wurde der Rendant der hiesigen Volksbank Christian Rotermund.

Montag, 09 November 2015 00:00

Novemberpogrom 1938

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 organisierten SA-Truppen und Angehörige der SS gewalttätige Übergriffe auf die jüdische Bevölkerung. Mehrere hundert Synagogen wurden in Brand gesetzt, mindestens 8000 jüdische Geschäfte zerstört sowie zahllose Wohnungen verwüstet. Zwischen 90 und 100 Juden wurden erschlagen, niedergestochen oder zu Tode geprügelt. In den Tagen darauf wurden im ganzen deutschen Reich etwa 30000 jüdische Männer verhaftet und in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen verschleppt. Die antisemitischen Ausschreitungen waren von der nationalsozialistischen Führung organisiert, die die Diskriminierung und Verfolgung jüdischer Bürger seit der "Machtergreifung" Hitlers 1933 systematisch vorantrieb. Die Nacht des 9. Novembers 1938 ging als Reichspogromnacht in die Geschichtsbücher ein. Opfer dieser permanenten Indoktrination war am 13. November 1938 auch die Familie Ikenberg in unserer Gemeinde Altenbeken geworden. Gegen 3 Uhr nachts drangen mehrere Männer gewaltsam in ihr Haus ein. Sie demolierten Möbel, warfen Lebensmittel auf die Erde und beschmierten Tapeten mit Blut, das aus Schnittwunden beim Zerschlagen der Fensterscheiben herrührte. Die Familienangehörigen flüchteten in ihren Nachtgewändern zu ihrem Garten auf dem Brande und suchten Zuflucht in einer auf dem Grundstück stehenden kleinen Bretterbude. Der Großteil der Familie wurde später von den Nazis ermordet.

Im Jahre 2006 beschloss der Rat der Gemeinde aufgrund eines Antrages der Historikerin Dr. Margit Naarmann und dem Ortsheimatpfleger Rudolf Koch der ermordeten Mitglieder der Familie Ikenberg an der Stelle, wo das ehemalige Wohnhaus stand, sichtbar zu erinnern.

Nun wird jedes Jahr am 9. November mit einer Kranzniederlegung der jüdischen Mitbewohner Ikenberg gedacht.

Sonntag, 08 November 2015 00:00

Das waren noch Zeiten !

Das waren noch Zeiten vor 70 Jahren, als der 2. Weltkrieg endlich beendet war. Autos gab es kaum und Kraftstoff war auch kaum zu bekommen. Ein interessantes Bild aus der Nachkriegszeit zeigt, wie man sich in der damaligen Zeit vor 70 Jahren - zu helfen wusste. Ja - heute löst so ein Foto ein leichtes Schmunzeln aus. Auch in Altenbeken waren diese Bilder anzutreffen.

Samstag, 31 Oktober 2015 00:00

Der Monat November

Samstag, 10 Oktober 2015 00:00

„Egge-Bahn“ feiert 150. Geburtstag

Am 10. Oktober 1865 wurde die Eisenbahnstrecke zwischen Holzminden und Kreiensen erstmals in Betrieb genommen. Damit ist die gesamte Strecke der heutigen NordWestBahn-Linie RB 84 „Egge-Bahn“ 150 Jahre alt. Die NordWestBahn, die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) und der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) feiern den Geburtstag der Linie mit einem beklebten Jubiläumszug.
Die Gleisverbindung zwischen Altenbeken und Höxter wurde bereits am 1. Oktober 1864 von der Königlich-Westfälischen Eisenbahn-Gesellschaft eröffnet. Am 10. Oktober 1865 – vor exakt 150 Jahren – wurde der Streckenabschnitt Holzminden – Kreiensen von der Herzoglich Braunschweigischen Staatseisenbahn in Betrieb genommen. Sogar der preußische König wurde auf dem wichtigen Knotenbahnhof Altenbeken 10 Tage später, nämlich am 20. Oktober 1865,  begrüßt. Alle königlichen-preußischen Bahnbeamten im sogenannten Königsrock hatten auf dem Bahnsteig Aufstellung genommen. Auch der Altenbekener Bürgermeister war mit den Gemeinderaten erschienen. Diese Ereignis wurde in Altenbeken gebührend gefeiert, so wird in der Dorfchronik berichtet. Die Strecke diente zunächst als wichtige Verbindung zwischen dem Ruhrgebiet und Braunschweig bzw. Berlin.
Durch die deutsche Teilung verlor die Ost-West-Verbindung allerdings an Bedeutung, daher gab es in der darauffolgenden Zeit nur noch teilweise durchgehenden Betrieb zwischen Paderborn, Holzminden und Kreiensen. Dieser endete im Jahr 2003 komplett: Auf dem Abschnitt Paderborn - Holzminden verkehrte die NordWestBahn, zwischen Holzminden und Kreiensen fuhr die Deutsche Bahn. Im Dezember 2013 nahm die NordWestBahn im Auftrag von NWL und LNVG den Verkehr im „Dieselnetz OWL Süd“ auf. Teil des neuen Verkehrskonzepts ist nun die Verkehrsführung der RB 84 „Egge-Bahn“ von Paderborn über Altenbeken und Holzminden bis nach Kreiensen.
Das Angebot für Reisende auf der „Egge-Bahn“ wird demnächst noch komfortabler werden. „Mit einem neuen Flügelkonzept in Ottbergen können Fahrgäste aus Paderborn ab Dezember 2015 umsteigefrei auf der Linie RB 85 ‚Oberweser-Bahn‘ in Richtung Göttingen weiterfahren“, erklärt Stefan Atorf, von der NWL Geschäftsstelle Paderborn. „Auch zwischen Holzminden und Kreiensen wollen wir den Kunden künftig einen Stundentakt anbieten, die hierfür erforderliche Planung werden wir zusammen mit der DB Netz AG beauftragen“, sagt Joachim Ebinger, stellvertretender Bereichsleiter ‚Angebot‘ in der LNVG. Die LNVG organisiert zwischen Ems und Elbe den Nahverkehr auf der Schiene und zahlt dafür jährlich fast 300 Millionen Euro an die Eisenbahnunternehmen.
Zur Feier des Jahrestags hat die NordWestBahn einen Jubiläumszug gestaltet. „Obwohl wir die Strecke noch nicht die gesamten 150 Jahre befahren, fühlen wir uns in der Region zu Hause“, sagt Wigand Maethner, Bereichsleiter Marketing und Kundenservice bei der NordWestBahn. Daher trägt der Jubiläumzug die große Aufschrift „150 Jahre meine Egge-Bahn“. Der Zug mit Abbildungen von bedeutenden Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke wie dem Viadukt in Altenbeken, Schloss Corvey in Höxter oder der Burg Greene in Kreiensen wird künftig in der gesamten Region unterwegs sein.

Das Bild zeigt den festlich geschmückten Triebwagen am 9. Oktober 2015 beim Halt in Altenbeken. (Foto: Rudolf Koch)

Donnerstag, 08 Oktober 2015 00:00

Heimatgebietstag in Wewelsburg

Unter dem Vorsitz von Heimatgebietsleiter Horst Dieter Krus fand in diesem Jahr der Heimatgebietstag in Wewelsburg statt. Über 100 Heimatfreunde/Innen hatten sich eingefunden. Nach den Begrüßungsworten des Bürgermeisters Burkhard Schuchow und des stellv. Landrat Hans Bernd Janzen Paderborn sowie dem stellv. Landrat Heinz Günter Koßmann, Höxter referierte der Vorsitzende des Westfälischen Heimatbundes Mathias Löb über das Thema: "Herausforderung der Heimatarbeit".Er stellte fest, dass es ohne die 549 Heimatvereine, die dem Heimatbund verbunden sind, ganz finster aussehen würde. "Es sind 130 000 Mitglieder, die sich hier ehrenamtlich engagieren.". Leider würde die Arbeit oftmals durch politische Vorgaben sehr schwer gemacht.

Wewelsburger Ortsheimtpfleger Johannes Ahrens stellte anschließend das Dorf Wewelsburg und Museumsleiterin Kirsten John- Stucke das Kreismuseum vor.

Am Nachmittag fanden dann Exkursionen statt.

Das Gruppenbild zeigt: v.l.n.r. Kreisheimatpfleger Höxter Hans Werner Gorzolka, Museumsleiterin Karsten John - Stucke, Kreisheimatpfleger Michael Pavilcic, stellv. Landrat Hans Bernd Janzen, Direktor Mathias Löb. Heimatgebietsleiter Horst Dieter Krus, Wewelburgs Ortsheimatpfleger Johannes Ahrens, stellv. Landrat Kreis Höxter Heinz Günter Koßmann.

Foto: Johannes Büttner

Samstag, 19 September 2015 00:00

Buchhandlung Bahnhof Altenbeken

Ein historisches Bild aus dem Nachlass von Sigmar Scepan zeigt seine Mutter in der Buchhandlung auf dem Altenbekener Bahnhof, die von Herrn Schraven betrieben wurde.

Montag, 07 September 2015 00:00

Trunkenbolde betreffend .......

Eine Geschichte zum Nachdenken ... aus der guten alten Zeit.

Wenn man alte Akten in Stadt – oder Gemeindearchiven sichtet, dann stößt man unwillkürlich auch auf Vorgänge, die aus heutiger Sicht skurril erscheinen.

Zum Beispiel die Akte des Amtes Lippspringe: Trunkenbolde betreffend .............

So liest man dann mit Datum vom 15. Januar 1897, dass auf Vorladung bei der Amtsverwaltung in Lippspringe der Mauerer XY erschien, der eine dem Trunke ergebene Person sei und „dieserhalb“ ernstlich ermahnt wurde. Weiter heißt es dann weiter, „ Es wurde demselben mitgetheilt, dass im Wiederholungsfalle er für einen Trunkenbold erklärt , den Wirthen auf Grund der Ober =Präsidal= Verfügung vom 20. September 1841 als solcher bezeichnet werde und dann sämtliche Wirthschaften zu meiden habe“.

Da sich der Mauerer XY an diese Abmachung nicht hielt und der Polizeidiener Schröder mit Datum vom 29. April 1897 von der Ehefrau benachrichtigt worden war, daß ihr Mann dem Brantweingenuß weiter nachging und sie dann sogar schlage, meldete dieser das dem „Hochwohlgeborenen Amtmann“ und es wurde dann folgende Verfügung erlassen:

„Mit Datum vom 30. April 1898 wird der Nebenbezeichnete , da er im Wiederholungsfalle betrunken gewesen ist, so ist gegen denselben eine schriftliche Verfügung zu erlassen, daß er „ für die Dauer von 1 Jahre als eine dem Trunke ergebene Person erklärt sei und deshalb für diese Zeit sammliche Wirthschaften zu meiden habe. Gleichzeitig ist derselbe den Schankwirthen des Bezirkes als Trunkenbold zu bezeichnen unter ausdrücklicher Hinweisung der Wirthe auf die Vorschriften der Ober=Präsidial=Verordnung vom 20. September 1841, gemäß

welcher diejenigen Schankwirthe, welche einem von der Ortspolizeibehörde ihnen als Trunkenbold bezeichneten Individuum Branntwein zu verabreichen fortfahren oder demselben auch nur den Aufenthalt in der Gaststube gestatten in eine Polizeistrafe von 6 bis 15 Mark genommen und bei wiederholt bewiesener Nachlässigkeit gegen die in dieser Beziehung auferlegten Pflichten mit Entziehung der Conzession bestraft werden sollen.“

Nun mußte der Polizeidiener alle in dem Bezirk liegenden Gaststätten und Colonialwarenläden, die Branntwein verkaufen, von dieser Verfügung Mitteilung machen. Der Amtmann hatte ferner angeordnet, daß die Aushändigung dieser Verfügung von den Wirten zu bescheinigen sei.

Doch aus der Akte ist zu erfahren, daß der „Trunkenbold“ es immer wieder – wie der Polizeidiener berichtete:

„ im alkoholisierten Zustand immer zu Ärger Anlaß bot“.

Wie er an den Branntwein käme, könne er auch nicht sagen. Nun blieb der Obrigkeit nur noch das Mittel – so Amtmann Mersmann zu Lippspringe – ihn in eine Anstalt einzuweisen.

Diese war nach etlichen Bemühungen dann auch gefunden .

Man wies den Maurer XY in die Heilanstalt Bernardshof bei Maria – Veen ein.

Ob der „Trunkenbold“ von seinem Leiden nun geheilt wurde, darüber schweigen die Preußischen Akten des Amtmann Mersmann zu Lippspringe.

Sicher erweckt ein derartiger Vorfall aufgrund der Verfahrensweise und auch wegen seines aus dem allgemeinen Sprachgebrauch weitgehend verschwundenen Vokabulars beim heutigen Leser eine gewisse Heiterkeit. Macht man sich dann aber klar, welche Ausmaße Alkoholmißbrauch und Alkoholismus mittlerweile in allen Schichten unserer Gesellschaft angenommen haben, dann drängt sich die Frage auf, ob das damalige Verfahren der Behörden, wirklich so abwegig und erheiternd war, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag.

 

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