Das Kriegsende in Schwaney

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Auch Schwaney wurde von amerikanischen Soldaten eingenommen.

Ein Bericht von dem früheren Ortsheimatpfleger und Chronisten Heinz Küting

Am Sonntag, dem 1. Februar 1945, konnte das Hochamt infolge anhaltender und bedrohlicher Feindflüge erst am Nachmittag gehalten werden. Ganztägigen Fliegeralarm gab es am 22. Februar 1945, als sich Bombengeschwader mit Erfolg auf die beiden Viadukte zwischen Altenbeken und Neuenbeken konzentrierten. Als Paderborn am 27. März in Schutt und Trümmer fiel, war auch der Lenzhimmel über Schwaney verdunkelt von schweren, schmutzigen Rauchwolken, die furchtbares Unheil ahnen ließen. Am 28. März erfolgte ein Bombenangriff auf das Gelände der Wifo (Wirtschaftliche Forschungsanstalt, Großlager für Treibstoffe und Öle) am Bahnhof Neuenheerse. Tieffliegende Jabos (Jagdbomber) unterband jede landwirtschaftliche Betätigung in der Feldmark.In die ernste Stille des Karfreitags klang dann der erste Geschützdonner. Immer näher rückte die Front. Zur Verteidigung des Dorfes wurden 28 Panzer-Fäuste in der Mädchenschule deponiert, am Abend des 31. März rückte Waffen-SS mit einigen Tigerpanzern in Schwaney ein. Am 1. April, dem Ostersonntag, duckte sich Dahl unter Artilleriebeschuss. Den Rauch brennender Häuser trieb der Wind als Boten kommenden Unheils auf Schwaney zu. Am Urenberge, in der Wegmitte zwischen Schwaney und Dahl, fanden vier Soldaten den Tod, die dort auch ihre vorläufige Ruhestätte erhielten. Am 17. Dezember 1948 wurden sie auf den Neuhäuser Waldfriedhof umgebettet. Auf dem Rückzug vor dem nachdrängenden Feinde erlag ein SS-Mann seiner schweren Verwundung kurz vor dem westlichen Ausgange des Dorfes. Er wurde auf dem Schwaneyer Friedhof als unbekannter Soldat bestattet, aber Ende 1951 wieder exhumiert und auf dem Ehrenfriedhof in der Senne beigesetzt. Bei der Umbettung fand man auch die 1945 vergeblich gesuchte Erkennungsmarke, die eine Identifizierung des Toten ermöglichte. In der Nacht vom ı. zum 2. April zogen sich die SS=Verbände von Schwaney nach Bad Driburg zurück. Eine Infanterie-Kompanie übernahm die Verteidigung des Dorfes. Gefechtsstand war das Forsthaus Schwaney. Der örtliche Volkssturm erhielt Order, sich unverzüglich in Bad Lippspringe zu stellen, zog es in Anbetracht der Sinnlosigkeit jedoch vor, sich unterwegs in die Büsche zu schlagen und ins eigene, hartbedrängte Dorf zurück zu kehren.

Am 2. April 1945 verebbte der Geschützdonner. Das war die unheimliche Ruhe vor dem Sturm. In der Mittagsstunde des 4. April steuerte ein amerikanischer Spähwagen von der Bundesstraße 64 her das Dorf an. Die hier eingesetzten Infanteristen bereiteten ihm einen entsprechenden Willkommensgruß, den der Feind sofort erwiderte. Bei dieser kurzen Kanonade gingen die Scheuern des Mühlenbesitzers Schulze und des Bauern Böddeker (Schmies) in Flammen auf. Am Nachmittag gegen 16 Uhr forderten Amerikaner von Buke aus die Übergabe des Dorfes bis 18 Uhr. Der Ortskommandant lehnte sie ab. Um die sinnlose Zerstörung des

Dorfes zu verhüten, eilten mehrere beherzte Männer der Gemeinde nach Buke, um die Kapitulation anzubieten. Aber sie kamen zu spät. Der Feuerbefehl war bereits erteilt. Kurz vor 18 Uhr gingen mehrere feindliche Panzer, von der Bundesstraße 64 kommend, auf der Linie Bodenstelle Kapellenbaum in Stellung und eröffneten auf Schwaney das Feuer, das 20 Minuten dauerte. Rund 30 Gebäude erhielten mehr oder weniger wirksame Treffer durch Sprenggranaten. Schwerste Schäden erlitt der Kirchturm, auf dem man einen 65 (Allenkreuers) durch Kopfschuss schwer verwundet. Er verstarb kurz darauf. Nun rollten und rasselten amerikanische Verbände pausenlos durchs Dorf. Erschreckt, aber doch im Grunde des Herzens froh und dankbar über den noch glimpflichen Verlauf der dramatischen Geschehnisse, kamen die Einwohner aus den Kellern und notdürftigen Bunkern. Einige Truppenteile bezogen im Dorfe Quartier. Die nahen Wälder wurden systematisch nach versprengten deutschen Soldaten durchkämmt.

 

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