Dienstag, 08 November 2016 00:00

2. Auflage einer Dokumentation über Deportation der jüdischen Familie Ikenberg.

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Die Deportation von der jüdischen Familie Ikenberg aus Altenbeken in das Ghetto Riga am 10. Dezember 1941 vor 75 Jahren. 

Hierüber wurde nun eine 2. Auflage des Heftes über diese Deportation zur 75jährigen Wiederkehr dieses grausamen Ereignisses von Ortsheimatpfleger Rudolf Koch herausgebracht. Mitautorin war die Paderborner Historikerin Dr. Margit Naarmann.

Das Heft ist beim Ortsheimatpfleger und in der örtlichen Buchhandlung Kuhfuß für 5,80 Euro zu erwerben.

Hier ein Ausschnitt zur Historie :

Zur ersten Deportation aus dem Hochstift in das Ghetto Riga wurden Minna Ikenberg, ihre Söhne Josef und Walter, die Töchter Ilse und Rosa sowie Thekla Rose, geb. 22.8.1887 in Altenbeken, eine Schwester von Minna Ikenberg, aufgefordert. Gemeinsam mit Juden aus Lippspringe und Paderborn, insgesamt 76 aus den vier Hochstift-Kreisen, musste sich die Familie Ikenberg am 10. Dezember 1941 bis 13.30 Uhr an der Sammelstelle Paderborn einfinden, dem Städtischen Schlachthof am Tegelweg. Der um 14.30 Uhr am Hauptbahnhof Paderborn eingesetzte Zug mit Juden aus dem Kreise Büren nahm die Wartenden am Nordbahnhof, abseits von städtischer Besiedlung, auf. In Begleitung von zwei Oberwachtmeistern und vier Hauptwachtmeistern erfolgte der Transport nach Bielefeld. Um Aufsehen zu vermeiden, hatten die Beamten ausdrücklich Zivilkleidung zu tragen. Im Saal der Gaststätte „Kyffhäuser“ sammelten sich die ersten Opfer, die von der Gestapo zur weiteren bürokratischen Abwicklung der Deportation übernommen wurden: Identifizierung und Leibesvisitation, Durchsuchung des Gepäcks, Beschlagnahme von Geld, Wertgegenständen sowie persönlichen Dokumenten, sofern das nicht schon am Heimatort geschehen war. Bis zum Abtransport warteten die Opfer unter katastrophalen sanitären Bedingungen im „Kyffhäuser“, dessen Boden nur notdürftig mit Stroh bedeckt war. Vom Kesselbrink aus erfolgte am 13. Dezember 1941 der Abtransport mit Autobussen der Städtischen Verkehrsbetriebe zum Hauptbahnhof Bielefeld. Der Transportzug mit Juden aus den Regierungsbezirken Münster und Osnabrück traf gegen 15.00 Uhr ein. In den nahezu von tausend Menschen überbelegten Abteilen müssen sich die in Paderborn Zugestiegenen einen Platz suchen. Bei dieser langen qualvollen Fahrt über Hannover, Stendal, Berlin, Schneidemühl, Marienburg, Königsberg, Tauroggen und Mitau, die drei Tage währt, ist schnell das Trinkwasser verbraucht. Als der Zug am 16. Dezember am Bahnhof Skirotava, etwa 8 km südöstlich von Riga entfernt, ankommt, herrschen Temperaturen um Minus 12 Grad. Nach Ankunft treiben SS-Männer mit Hunden die Ankommenden für den langen Fußmarsch in das Ghetto Riga zusammen. Auf dem Weg werden bereits Alte und Kranke, die nicht weiterkönnen, geprügelt, erschossen und liegen gelassen. Der Abtransport der ehemals jüdischen Nachbarn war offenbar in breiten Kreisen der Bevölkerung bekannt geworden. Die Sicherheitsdienst-Hauptaußenstelle in Bielefeld berichtete darüber an die übergeordnete Dienststelle.

Gelesen 1625 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 10 November 2016 09:26